Berlin : Katzenjammer

Eine Berliner Künstlerin fotografiert gern tote Tiere Jetzt ermittelt die Polizei wegen der Bilder

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Janet Petermann sitzt rechts auf dem Sofa und Gertrud links. Auf dem Tisch liegen ein paar Fotos, die Janet Petermann gemacht hat. Gertrud hebt von Zeit zu Zeit eine Augenbraue und schaut sehr sorgenvoll, was durchaus einleuchtet. Denn Gertrud ist eine Bulldogge und Janet Petermann ist Künstlerin und fotografiert am liebsten tote Tiere. Deshalb ist sie auch kürzlich festgenommen worden, als sie bei Karstadt in Tempelhof ein paar Vergrößerungen abholen wollte.

Auf den Bildern sind die Kätzchen einer Bekannten von Janet Petermann. Sie seien kurz nach der Geburt gestorben, erzählt die Künstlerin. Aber das ist auf den Fotos nicht erkennbar. Auf denen ist nur etwas Fell zu sehen, eine Nase, Ohren und eine Pfote, umhüllt von meterweise rot gefärbten Bandagen. Es könnte das Werk eines Sadisten sein oder das Resultat eines Verkehrsunfalls, das hier zu sehen ist. „Verdacht Verstoß Tierschutzgesetz“, hat die Polizei auf der Fotohülle vermerkt. Das Datum im Aktenzeichen lässt darauf schließen, dass das Fotolabor sich ohne Zögern an die Polizei gewandt hat, weil die Bilder arg nach Tierquälerei aussahen.

Janet Petermann bekam von der Sache erst zehn Tage später mit. Ihre Version der Geschichte beginnt in der Fotoabteilung des Kaufhauses, in der zwei Ladendetektive sie zum Bleiben aufforderten und mit ihr gemeinsam auf die Polizei warteten. Als die Beamten eintrafen, war nach Janet Petermanns Darstellung gerade noch Zeit für einen freundlichen Handschlag zur Begrüßung. Dann klickten die Handschellen – und zwar auf dem Rücken der Künstlerin. „Eigensicherung“, hätten die Beamten gesagt, die sie später stundenlang auf der Wache befragten und zwischendurch lange herumsitzen ließen, wie sie sagt. Bis ihr Freund mit „entlastendem Material“ in Form von Ausstellungskatalogen und Flyern erschien und sie mit nach Hause nehmen durfte. „Dass ich meine Unschuld beweisen sollte, fand ich nicht so schön“, sagt Janet Petermann. Die Polizei ermittelt – und prüft den Fall.

Die Fotos sind bestimmt nicht jedermanns Geschmack. Aber die 39-Jährige, die schon als Kind die vom Vater erlegten Mäuse eingesammelt hat, findet eine am Kotti aufgelesene tote Taube oder eine Katze aus dem Straßengraben („die sind ja nicht immer völlig zermatscht“) plus Farbe und Stoff eben faszinierend. Es gehe ihr nicht um Tierschutzbotschaften; „ich könnte auch Holz nehmen“. Es würde ihr manchen Ärger ersparen. obs

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