Kaufen und helfen : Sewan-Sozialkaufhaus in Lichtenberg

Für Suchtkranke bietet das Haus einen Job und Anerkennung - und für die Kunden günstige Ware. Zudem wurden alle Artikel zuvor gespendet

Manuel Opitz
Sozialer shoppen. Kundin Sybille Granzow hat was für die Tochter gefunden. Foto: Opitz
Sozialer shoppen. Kundin Sybille Granzow hat was für die Tochter gefunden. Foto: Opitz

Ordentlich hängen Dutzende Jacken und farbenfrohe Blusen nach Größen sortiert an den Kleiderstangen. Auf einem Regal sind Geschirrservice aufgebaut, daneben warten Schrankwände und Couchgarnituren auf einen Käufer. Manch ein Kunde ersteht noch ein Weihnachtsgeschenk. Auch wenn alles wie in einem typischen Kaufhaus aussieht: Herkömmlich ist in dem kürzlich eröffneten Sewan-Kaufhaus in Lichtenberg wenig.

Das Gefühl, gebraucht zu werden

Sämtliche Artikel kommen aus zweiter Hand und wurden gespendet. Kundenberater, Kassierer und Lagermitarbeiter haben durch die Arbeit eine neue Möglichkeit gefunden, aus ihrer Alkoholsucht oder einer anderen Suchterkrankung herauszukommen. Wer mal rückfällig wird, verliert nicht gleich seinen Arbeitsplatz. Pro Stunde verdient jeder Mitarbeiter 1,20 Euro. Das Sewan-Kaufhaus ist ein Sozialkaufhaus. „Die Idee ist, die Menschen zurück an die Arbeit zu bringen“, sagt Geschäftsführer Karl-Friedrich Schnur. Es ist eine zweite Chance für jene, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. Gleichzeitig finden sie durch die Tätigkeit neuen Halt und Anerkennung im Leben. „Die Mitarbeiter identifizieren sich mit dem Laden. Sie bekommen das Gefühl, gebraucht zu werden“, sagt Schnur. Derzeit arbeiten 35 Zuverdiener im Kaufhaus. Viele haben mitgeholfen, aus der verfallenen, ursprünglichen Kantine das Geschäft aufzubauen.

Für Ramsch ist kein Platz, für gut erhaltene Ware schon

„Ich fühle mich gut hier, und die Arbeit macht Spaß“, erzählt Kassiererin Marina Anhold, 51, aus Lichtenberg. Jeden Tag kommen bis zu 400 Kunden. „Manche fahren von Bernau oder von Zehlendorf hierher“, sagt sie. Oder sie kommen, um Kleidung und Bücher zu spenden, die zu schade sind, um sie wegzuschmeißen. Ramsch wird nicht angenommen – das kommt bei den Besuchern gut an. Jürgen Schaub, 69, aus Mariendorf steht mit einem schwarzen Mantel überm Arm an der Kasse, der Preis: 14 Euro. „Einwandfrei“ findet Schaub den Mantel. Margret Rosenthal, 74, sitzt auf einer beigefarbenen Couch Probe. „Ich finde es gut, dass es so eine Einrichtung in unserem Kiez gibt“, sagt sie. Sie will auch etwas spenden. In der Kinderabteilung sucht Sybille Granzow, 39, nach Büchern und einer Hose für ihre Tochter – und findet eine pinkfarbene Truhe für Puppensachen. Manuel Opitz

Sewan-Kaufhaus, Sewanstraße 186, 10319 Lichtenberg, Tel. 50 01 87 88, Öffnungszeiten: 24.12. und 31.12. geschlossen, sonst montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 15 Uhr.

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