Berlin : Kaufen!

Andreas Conrad

Das mit den Lebkuchen ist natürlich übertrieben. Schon im Spätsommer tauchen sie in den Regalen auf, eine unzeitgemäße Versuchung, sind sie doch mit ihrem dünnen, leicht schmelzenden Schokoladenüberzug als Proviant für letzte Sonnentage im Freibad denkbar ungeeignet. Weniger eindeutig zu klären – und insofern alle Jahre wieder Anlass zu moralischem Disput–, ist die Frage, wann man denn tunlichst mit dem Weihnachtskonsum beginnen dürfe. Am besten sofort, sagt der Einzelhandel, und entzündet testweise, aber doch auch als Signal, auf dem Kurfürstendamm unzählige Lichtlein, auf dass der Käufer sich ja nicht in andere Stadtteile verirre. Dagegen setzt pflichtschuldigst Bischof Wolfgang Huber, die kommerzielle Vorweihnachtszeit sei bitteschön nur auf die Adventszeit zu begrenzen, und die beginne erst in einer Woche. Ein uralter Einwand, fragt sich nur: Passt er noch in diese konsumarmen Zeiten? Muss man dem hemmungslosen Käufer, ohnehin seit langem eine Rarität, nicht dankbar sein? Er ist es doch, der den Umsatz, mithin den Profit steigert und das Wirtschaftswachstum anheizt, zu unser aller Freude. Und das ist nun wirklich eine gute Tat.

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