Berlin : Kaufleute wollen Projekt gegen Staus

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Wegen mangelhafter Verkehrsplanung verschleudern einer Studie zufolge Autofahrer in Berlin jährlich Kraftstoff im Wert von rund 160 Millionen Euro. Diese Summe hat der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) anhand von Statistiken ausgerechnet. Unzureichende Ampelsteuerungen, fehlende Baustellenkoordinierungen oder schlechte Fahrbahnen, die zum Tempodrosseln zwingen, führten auch zu einem Mehrausstoß von rund 260 000 Tonnen CO2. Der VBKI hat deshalb einen Katalog mit zehn Punkten erarbeitet, die dazu beitragen sollen, vermeidbare Staus aufzulösen.

Zu den Maßnahmen gehören für den VBKI unter anderem grüne Wellen auf Magistralen und verkehrsabhängige Ampelschaltungen auf Umleitungsstrecken bei Überlastungen oder Störungen der Hauptrouten. Zudem müsse ein Managementsystem für die Instandhaltung des Straßennetzes aufgebaut werden. Daran hätten Politiker oft kein Interesse, sagte der Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau, Reinhold Dellmann. Er selbst habe als Verkehrsminister in Brandenburg ein Kataster für die Straßen durchgesetzt. Auch das Personal in der Verkehrslenkung müsse verstärkt, die Zuständigkeiten vereinheitlicht werden, fordert der Verein. Derzeit gebe es unterschiedliche Formulare in den Bezirken für Anträge aufs Einrichten einer Baustelle. Berlin besitzte alle Voraussetzungen dafür, dass der Verkehr problemlos fließen könne, ist VBKI-Geschäftsführer Udo Marin überzeugt. Das Straßennetz sei groß und ausreichend mit Ampeln und Informationstafeln ausgestattet. Zum individuellen Steuern der Anlagen fehlten jedoch die Technik und das Personal, sagte Roland Bänsch, der die VBKI-Zahlen ermittelt hat. Zudem sei der Verkehr auf den Straßen in den vergangenen 20 Jahren um etwa ein Fünftel zurückgegangen – die Wartezeit in Staus habe sich jedoch merkbar erhöht, sagte Marin. Zahlen hierzu gab es aber nicht.

Der VBKI will nach Marins Angaben Anfang 2013 die „verkehrspolitischen Entscheider“ zu einer Tagung einladen, um gemeinsam Lösungen gegen den Stau finden zu können. Klaus Kurpjuweit

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