Berlin : Kaulsdorfer Wodkakönig ist tot

Der „Wodkakönig“ ist tot. So wurde Sergei Apollonowitsch Schilkin nicht nur in Kaulsdorf genannt, wo seine Familie seit 1932 Hochprozentiges produziert. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb der 91-Jährige bereits am 18. Juli. Wenn er am 31. August auf dem Friedhof Kaulsdorf beigesetzt wird, dürfte die Trauerrede für den Bundesverdienstkreuzträger lang werden. Und das nicht nur, weil die Kaulsdorfer Kirche der Initiative des 1915 in Sankt Petersburg geborenen Schilkin ihre neue Spitze verdankt, die Biesdorfer Höhe eine Aussichtsplattform und der Tierpark manche Spende.

„Für seine Heimat etwas Gutes tun“ wollte Schilkin immer. Und Heimat, das war Kaulsdorf, seitdem sein Vater – als Spirituosenhändler einst Hoflieferant des Zaren – mit der Familie nach der Oktoberrevolution flüchtete, in Berlin noch mal neu anfing und in Kaulsdorf russische „Wässerchen“ brannte. Die waren nach dem Zweiten Weltkrieg auch bei den Besatzern gefragt – als einer der ersten Berliner Fabrikanten erhielt Schilkin die Lizenz zum Schnapsbrennen. Dazu baute er den fast völlig zerstörten Familienbetrieb wieder auf, in dem er auch Chef blieb, als er 1972 enteignet wurde. Die Kaulsdorfer Produktion brachte der DDR Devisen und den Ostdeutschen frohe Stunden mit Serschin-Wodka oder „Timms Saurer“. 1990 wurde der Rentner Schilkin nochmals Unternehmer im wieder übernommenen Familienbetrieb, den heute sein Schwiegersohn Peter Mier leitet. hema

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