Berlin : Kauz, Kröte, Kormoran

Ein Buch zeigt jetzt Naturschutzerfolge in Berlin

Biber drängt es in die Stadt. Inzwischen haben sich fünf „Familien“ nach Berlin durchgeschlagen, bevölkern das Gebiet zwischen Oberhavel und Tegeler See, die Unterhavel, das Köpenicker Ufer. Seealder siedeln sich an, auch der Wachtelkönig ist „Berliner“ geworden. Gestern stellte die Senatsverwaltung ein 256 Seiten dickes, reich illustriertes Buch vor, das die Erfolge des Natur- und Artenschutzes in Berlin darstellen will. Es ist wie ein „Naturführer“ gestaltet, mit einer großen Faltkarte bestückt und beschreibt die insgesamt 37 Naturschutzgebiete und weitere 15 Gebiete, die für das Europäische Schutzgebietssystem „Natura 2000“ gemeldet sind: Das sind insgesamt fast zehn Prozent der Stadtfläche.

Es berichtet, dass Berlin eine der pflanzen- und tierartenreichsten Großstädte der Welt ist. Dass etwa 70 Prozent aller heimischen Vogelarten hier brüten. Auch der Habicht, der mit Vorliebe Straßentauben verspeist. Am Müggelsee haben sich inzwischen 35 Brutpaare der vom Aussterben bedrohten Trauerseeschwalbe angesiedelt. Von den sensiblen Armleuchteralgen des Naturschutzgebietes südöstlich vom Grunewalder Teufelssee bis zur Zwergrohrdommel im Vogelschutzgebiet Flughafensee reicht die Beschreibung der „besonderen Arten“ der Stadt. Ob Köpenicker Waldkauz oder der seltene Bitterlingfisch vom Teufelssee, ob Kormoran oder Knoblauchkröte – dargestellt sind alle Details der Berliner Naturschutzwelt, zu denen auch die rund 10 000 Fledermäuse gehören, die in der Zitadelle Spandau überwintern.

Reiner Nagel, Abteilungsleiter Stadt- und Freiraumplanung sprach aber auch davon, dass die Artenvielfalt abnehme und Berlin „kein Paradies“ sei. Die Fläche der Naturschutzgebiete soll aber noch erhöht werden. Die Senatsverwaltung ist so optimistisch, dass sie sich beim Bund um den Titel „Bundeshauptstadt Naturschutz“ beworben hat, oder dass sie zumindest „Naturschutzstadt“ genannt werden will.

Was die Neu-Berliner Biber und Fischotter auf ihrer Reise durch die Stadt nur stört, sind Kanäle und Schleusen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung plant, mit „Fischtreppen“, den Tieren die Wege zu erleichtern. Sehr gewitzte Biber haben es dennoch schon bis zum Westhafen gebracht, oder zur Schleuse Spandau und zur Mühlendammschleuse. Einige allerdings hat der Verkehr in Haselhorst erwischt. Deshalb wurde schon die Rhenaniastraße nachts für Autos gesperrt.C.v.L.

„natürlichBerlin!“, Verlag Natur &Text in Brandenburg, auch im Info-Center der Senatsbehörde, Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin, Tel.: 90 25 - 12 45. 10 Euro.

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