Berlin : Kehraus im Kesselhaus

Ingo Bach

Nach monatelangem Streit wird in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg bald Ruhe einkehren - die Betreiber des Kesselhauses auf dem Gelände der ehemaligen Schultheissbrauerei streichen zum 1. Mai die Segel. Damit hat sich die neue Geschäftsführerin der Kulturbrauerei, Karin Baumert, durchgesetzt. Die ehemalige Baustadträtin von Mitte störte sich an der "mangelnden Zahlungsmoral" des Pächters Dag Zippel. "Das Kesselhaus wird nicht geschlossen, nur der Pächter steigt aus", sagt sie.

Das Konzept der Kulturbrauerei ist die Quersubventionierung der Offkultur durch ökonomisch erfolgreichen Projekte. Das Kesselhaus ist die einzige Einnahmequelle der Kulturbrauerei - und damit das Gegengewicht zu den vielen nichtkommerziellen Projekten, die auf Zuschüsse angewiesen sind.

Aber: Beide Seiten tragen den Begriff "nichtkommerziell" wie eine Standarte vor sich her und werfen der jeweils anderen vor, der totalen Kommerzialisierung das Wort zu reden. "Die neue Geschäftsführerin setzt auf Kommerz statt Kultur", sagt Joachim Sommermeier, Gesellschafter des Kesselhauses und geschasster Vorgänger von Baumert. Diese kontert: "Das Kesselhaus war nur noch Partykeller und Tanzschuppen - eine kleine Columbiahalle." Aber der entscheidende Knackpunkt ist das Geld. Das Kesselhaus habe das Konzept der Quersubventionierung ad absurdum geführt, sagt Baumert. "Schon vor Beginn meiner Tätigkeit wurde den Kesselhaus-Pächtern wegen schlechter Zahlungsmoral gekündigt." Auch derzeit stehe das Kesselhaus mit 7650 Euro Mietschulden in der Kreide.

Baumert muss auf jeden Cent achten, saß die Kulturbrauerei doch im November letzten Jahres, als die Geschäftsführung ihren Job übernahm, auf einem Schuldenberg von bis zu 500 000 Euro. Den trägt sie nun langsam ab. Kurzfristig schoss der rot-grüne Übergangssenat rund 40 000 Euro aus Projektfördermitteln zu. Und Baumert setzt auf zahlungsfähige Mieter für die Räume. Dazu musste auch so manches nichtkommerzielle Projekt, wie das "Russische Kammertheater", seinen Platz zur Verfügung stellen.

Mit der Literaturwerkstatt, die seit dem 1. Januar Gesellschafter der Kulturbrauerei ist, bekam das Projekt eine erhebliche Finanzspritze in Höhe von 2,65 Millionen Euro verpasst. Das Geld stammt aus Lottomitteln und dem Programm Aufbau Ost und sollte der Sanierung der Literaturwerkstatt dienen. Nun kommt das Geld dem gesamten Gelände zu Gute. Ab Sommer werden wieder Baugerüste in der Kulturbrauerei stehen. Auch die Toiletten und Belüftungsanlagen das Kesselhaus sollen saniert werden.

Baumerts Ziel: ab 2004 einen ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren. Doch dabei müsse der Senat helfen. Zum einen, in dem er einen Teil der Schulden übernimmt. Außerdem sei der Senat auch beim laufenden Betrieb gefordert. Baumert hofft auf regelmäßige Zuschüsse seitens der Kulturverwaltung. Und aus dem Hause von Kultursenator Flierl wird ihr Wohlwollen signalisiert. "Sicher wird die Kulturbrauerei weiter von uns unterstützt", sagt Flierls Sprecher Torsten Wöhlert. "Denn ohne sie ist die Berliner Kulturlandschaft nicht denkbar."

Karin Baumert gibt zu, dass sie auch auf Kommerz setzen muss. Ab dem 1. Mai will sie wieder Geld mit dem Kesselhaus verdienen - in eigener Regie und zugunsten der Kulturbrauerei-Gesellschaft. Trotzdem sollen auch nichtkommerzielle Veranstaltungen im Kesselhaus einen Platz finden.

Noch-Pächter Dag Zippel hat den Abschied von seinem alten Vermieter schon verarbeitet und will mit einem Teil seiner Mitarbeiter das Konzept des Kesselhauses an einem anderen Ort fortsetzen. Das könnte der Pfefferberg sein, nur wenige hundert Meter vom alten Standort entfernt. "Die neue Geschäftsführung setzt doch nur noch darauf, die Räume Gewinn bringend zu vermieten." Auch er nennt als Hauptgrund für seinen Auszug das Geld. "Die Miete war mit 21 Euro pro Quadratmeter einfach zu hoch."

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