Kehrtwende in der Schulpolitik : Altersermäßigung für Alle

Die Proteste der Schulleiterverbände waren erfolgreich: Die Altersermäßigung soll nun doch für alle Lehrer gelten - auch Schulleiter, Stellvertreter und Teilzeitkräfte sollen im Alter weniger arbeiten. Die Änderung könnte Auswirkungen auf die Stellenbesetzung haben.

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Ein Lehrer schreibt eine mathematische Formel an die Tafel.
Weniger Unterricht. Ab dem 58. Lebensjahr wird die Pflichtstundenzahl aller älterer Lehrer künftig schrittweise reduziert.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Proteste der Schulleiterverbände waren erfolgreich: Wie der Tagesspiegel erfuhr, sollen ab dem kommenden Schuljahr alle Lehrer ab einem bestimmten Lebensjahr eine Altersermäßigung erhalten. Das kündigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag an. Sie kippte damit die bisherige Regelung, die bereits in Informationsschreiben an die Schulen verbreitet worden war und die vorgesehen hatte, dass Schulleiter gar keine Altersermäßigung bekommen.

Auch Funktionsträger wie Fachseminarleiter oder stellvertretende Rektoren waren in der ursprünglichen Planung benachteiligt, wenn sie aufgrund von Unterrichtsstundenreduzierung unter die Berechnungsgrenze fielen. Dies hatten wie berichtet gleich vier Berliner Schulleiterverbände in einer gemeinsamen Erklärung kritisiert. Bisher hatte die Senatsbildungsverwaltung stets darauf verwiesen, dass die Altersermäßigung, die es in Berlin vor 2002 gegeben hatte, damals auch nicht für Schulleiter gegolten habe.

Eine Regelung für Alle

Sie habe entschieden, dass die bisher vorgesehene Differenzierung der Regelungen nach Umfang und Art der Tätigkeit entfalle, teilte Scheeres mit. „Uns war und ist wichtig, dass auch die Lehrkräfte einbezogen werden, die Funktionsstellen übernommen haben. Auch die Schulleitungen sollen von dieser Regelung profitieren“, sagte sie dem Tagesspiegel. Die Schulen und die Schulaufsichten seien am Donnerstag über die Neuregelung informiert worden.

Danach werden auch Teilzeitkräfte bei der Altersermäßigung besser gestellt. Für Lehrer, die weniger als fünfzig Prozent unterrichten, war bisher keine Altersermäßigung vorgesehen. Für Pädagogen, die mehr als die Hälfte, aber weniger als zwei Drittel der Stunden unterrichteten, sollte es nur eine Stunde weniger geben. Diese Unterscheidungen sollen jetzt ganz wegfallen, stattdessen gibt es nur eine Regel für alle: Ab dem Schuljahr, das auf den 58. Geburtstag folgt, wird eine Ermäßigungsstunde gewährt. Ab dem Schuljahr, das auf den 61. Geburtstag folgt, wird eine weitere Pflichtstunde erlassen. „Mit dieser Neuregelung können wir die Altersermäßigung für alle Lehrkräfte gewähren und von der tatsächlichen Unterrichtsverpflichtung entkoppeln“, sagte Scheeres.

„Die neue Regelung bietet allen älteren Leistungsträgern die Möglichkeit, bis zum Pensionierungsalter in diesem anstrengenden Beruf tätig zu sein“, sagte Ralf Treptow, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren. Auch Gunilla Neukirchen von der GEW-Schulleitervereinigung begrüßte die Entscheidung, die eine frühzeitige Organisation des nächsten Jahres ermögliche.

335 zusätzliche Vollzeitstellen zu besetzen

Nach Angaben der Bildungsverwaltung werden durch die Altersermäßigung 2014 insgesamt 335 zusätzliche Vollzeitlehrerstellen benötigt. Wie viele Stellen davon der jetzigen Ausweitung geschuldet seien, konnte eine Sprecherin am Donnerstag nicht sagen. Unterdessen teilte Scheeres im Abgeordnetenhaus mit, dass die für das zweite Schulhalbjahr benötigten 580 Pädagogen inzwischen allesamt eingestellt worden seien. In den nächsten Monaten sollen weitere 140 Lehrer folgen.

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