Berlin : Kein Abbild machen!

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber über die zweifelhafte Ehre von InternetFotos

Viele Leute halten das Internet für ein fortschrittliches Medium. Datenschützer wissen es besser. Der kleine Orwell in ihnen macht sie wachsam. Sie sehen einen Computerbildschirm und ahnen, dass aus dem Schirm der Televisor zu ihnen sprechen könnte, der Sprecher des allmächtigen Staates. Der kleine Orwell sagt ihnen auch, dass es einen großen Unterschied zwischen der Polizeifahndung mit Plakaten und der Fahndung im Internet gibt. Die Datenschützer wollen nicht, dass normale Berliner Mai-Randalierer-Bilder zu Fahndungszwecken ins Internet gestellt werden. Denn wer sein Gesicht auf einem Internet-Fahndungshinweis entdeckt, der hat „eine noch stärkere Eingriffsintensität als herkömmliche Fahndungsmaßnahmen“ über sich ergehen lassen. So steht es im Jahresbericht der Datenschützer. Internet-Verdächtige gehen um die ganze Welt und nicht bloß an 4000 öffentliche Orte, an denen die Fahndungsplakate hängen. Darauf muss man kommen: Dass die Internetnutzer in Ulan Bator oder Red Rock West voller Gier die Berliner Mai-Randalierer-Gesichter studieren, um sie zu erkennen und an der Resozialisierung zu hindern.

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