Berlin : Kein Anschluss

NAME

„Weiß ich nicht“, blafft die Zugbegleiterin auf dem Bahnsteig im Bahnhof Zoo, als Fahrgäste es gestern wagten, sie nach einem Anschlusszug zu fragen. Und weg ist sie. Ratlose Menschen bleiben zurück. Rund 20 verpassten so am Sonntagmittag den Anschlusszug Richtung Hamburg, weil sie auf dem falschen Bahnsteig standen. Der Zugverkehr läuft seit Sonntag außer Plan, weil die Bahn den Verkehr zwischen Zoo und Ostbahnhof für die Fern- und Regionalzüge bis Freitag unterbrochen hat.

Mustafa K. ist sauer. Er wedelt mit der schriftlichen Reiseauskunft, auf der steht, dass der Zubringerzug nach Nauen für die Weiterfahrt nach Hamburg von Gleis 4 abfährt. Dort hat er auch gewartet und nicht mitbekommen, dass die Abfahrt auf Gleis 1 verlegt worden war. Die Lautsprecherdurchsage für den Zug „nach Wittenberge“ war kaum zu verstehen gewesen. Mitarbeiter, die, anders als die Zugbegleiterin, Auskunft geben konnten und wollten, hatten sich am Abfertigungshäuschen versammelt; am anderen Ende des Bahnsteigs suchte man sie vergebens. Dafür kann man auf den Informationsplakaten der Bahn lesen: „Sprechen Sie unsere Mitarbeiter an.“ Gut, wenn man als Tourist Deutsch versteht. Hinweise auf Englisch sucht man in der Weltstadt vergeblich.

„S-Bahn out of order“, steht dagegen groß auf der Tafel im Bahnhof Friedrichstraße, die den Weg zum unterirdischen Nord-Süd-Bahnsteig versperrt. Mitarbeiter der S-Bahn, häufig Auszubildende, sind präsent, um den Fahrgästen erklären zu können, wie sie nach der Sperrung des Nord-Süd-Tunnels auf anderen Wegen zu ihrem Ziel gelangen können.

„Die meisten der Betroffenen reagieren gelassen“, sagte der Baubetriebsmanager der S-Bahn, Christian Morgenroth, am ersten Tag der Sperrung. Anders könne es schon am Montag im Berufsverkehr aussehen. Doch die Mitarbeiter mussten sich auch beschimpfen lassen. Trotz der Informationskampagne wussten viele Fahrgäste nichts von der Sperrung, die noch bis zum 12. Oktober dauert.

Auch hier macht es die Stadt ihren Besuchern nicht leicht. Auf zahlreichen Bahnhöfen, vor allem bei der BVG, hängen noch die alten Netzübersichten mit dem Nord-Süd-Tunnel – ohne Hinweis auf dessen Sperrung. Wer sich daran orientiert, wird schnell in die Irre geführt.

Ähnlich ging es Margarete Schwänzer. Sie fährt nur gelegentlich mit der S-Bahn, und hatte zu Hause noch einen älteren Netzplan. Mit diesem kam sie am Sonntag überhaupt nicht mehr zurecht, denn mit dem Schließen der letzten Lücke im S-Bahn-Ring am Sonnabend hat die S-Bahn ihr Netz gewaltig umgekrempelt. Neue Übersichten sind auf den Bahnhöfen zu erhalten. Und mancher Fahrgast, der am Sonntag auf dem Ring unterwegs war, hielt ein Exemplar in Händen. Zahlreiche Berliner nutzten die Gelegenheit, nach 41 Jahren Zwangspause die Innenstadt wieder auf dem Ring umrunden zu können. Nur mit der Information hapert es noch ein wenig. So fuhr ein Zug auf seiner Fahrt laut Anzeige einmal die Ringtour, dann nach Gesundbrunnen und anschließend nach Buch. Ansagen im Zug waren nicht zu hören.

Dass der Ring geschlossen und damit der S-Bahnhof Wedding wiedereröffnet ist, hat sich offensichtlich nur bei der BVG noch nicht überall herumgesprochen. Auf dem Umsteigebahnhof Wedding fehlen die Hinweise auf die S-Bahn. Dafür weist die BVG im U-Bahnhof Friedrichstraße die Fahrgäste weiter auf die S-Bahn-Linien 1, 2, 25 und 26 hin, obwohl der Tunnel nur wenige Meter entfernt gesperrt ist, und die S-Bahn deshalb bei der BVG als Ersatz mehr Züge auf der U-Bahn-Linie U 6 bestellt hat. Klaus Kurpjuweit

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben