Berlin : Kein Anschluss

Kandidatensuche der Berliner CDU-Spitze verunsichert zunehmend die Partei

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Die Strategen und Vordenker der Berliner CDU sind ein wenig verunsichert über ihren Landeschef Ingo Schmitt: Sollen sie ihn bewundern für eine Tugend, die er pflegt wie wenige andere: die Verschwiegenheit? Oder müssen sie sich wegen Schmitts Unlust an innerparteilicher Kommunikation und Diskussion Sorgen machen? Schmitt schweigt jedenfalls über seine Bemühungen um einen Spitzenkandidaten für die CDU so intensiv, dass manchem Parteifreund ein wenig schwummerig wird.

Kaum einer weiß, wie weit die Versuche des Landesvorsitzenden gediehen sind, mit dem Wunschkandidaten Klaus Töpfer ins Gespräch zu kommen. Die drei, die neben Schmitt zur Kandidatenfindungskommission gehören – Generalsekretär Frank Henkel, Fraktionschef Nicolas Zimmer und SüdwestKreischef Michael Braun – schweigen zwar fast so entschieden wie der Landeschef. Doch wird man bei ihnen den Eindruck nicht los, dass sie manchmal schweigen, weil sie gar nicht wissen, was Schmitt tut. Angeblich ist Schmitt mit Töpfer verabredet. Am Wochenende hieß es gar, die beiden hätten sich getroffen. Bestätigen wollte das niemand – vielleicht nur aus Mangel an Informationen. Schmitt ist bekannt dafür, dass man ihn tagelang nicht erreichen kann.

Kein Wunder, dass sogar Mitglieder der Rekrutierungsgruppe ein wenig an der Töpfer-Idee zweifeln. Wenn der ehemalige Bauminister und jetzige UN-Spitzenmann so schwer zu erreichen ist für einen wie Schmitt, taugt er vielleicht doch nicht so für die einigermaßen herkulische Aufgabe, die Hauptstadtunion von den 22 Prozent bei der Bundestagswahl in die Höhen der Konkurrenzfähigkeit zur SPD zu liften? Vor ein paar Tagen wurde die CDU gar bei 20 Prozent gemessen: Da reicht das bürgerliche Lager mit der FDP nicht aus, um die SPD auch nur unruhig zu machen. Töpfer, so hieß es immer in der Berliner CDU, wäre einer, der auch die Grünen ansprechen könnte, vielleicht sogar im Rahmen eines schwarz-grünen Modellversuchs.

Unsicher geworden über die ganze Suchaktion, denken die CDU-Strategen auch über Töpfers Alter nach: Wäre er mit 68 ein echter Konkurrent für Wowereit? Alternativpläne werden besprochen – bis zum Notfallplan: Schmitt muss selber ran, wenn er keinen findet. Oder General Frank Henkel, der dem Chef jedenfalls kommunikativ und in Sachen Kampfeslust um Lichtjahre voraus ist. Die anderen wie Peter Kurth, Annette Schavan und Heinrich von Pierer wollen nicht oder sind vergeben. Schmitt könnte Norbert Blüm mal fragen. wvb.

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