Berlin : Kein Aus für Tempelhof im März 2003

Flughafengesellschaft beginnt erst gerade, ein Konzept für die Flughafenschließung zu entwickeln

Barbara Junge/Rainer W. During

Der Flughafen Tempelhof soll nicht im kommenden März geschlossen werden. Die Flughafengesellschaft (BBF) wie die Verkehrsverwaltung wiesen entsprechende Berichte als „unsinnig“ zurück. Richtig ist, dass die BBF angefangen hat, an einem Konzept für die Schließung zu arbeiten. Am Mittwoch Abend tagte zum ersten Mal eine dafür eingesetzte Arbeitsgruppe der BBF. Zu klären sind unter anderem die Fragen, was nach der Schließung aus den 430 Mitarbeitern wird, was mit den Gebäuden geschehen soll, wie das Flughafengelände wieder entsiegelt werden kann und wohin die Fluggesellschaften ausweichen, die derzeit noch in Tempelhof abgefertigt werden. Entgegen einem anders lautenden Bericht der Berliner Morgenpost ist aber offenbar nicht vorgesehen, dass in Tempelhof bereits im kommenden März die Lichter ausgehen.

„Ein solches Vorhaben gibt es definitiv nicht“, kommentierte BBF-Sprecherin Rosemarie Meichsner den Bericht. Zum einen sei es technisch gar nicht möglich, innerhalb so kurzer Zeit die Schließung zu bewerkstelligen. Dafür bedürfe es etwa zwei Jahre. Es sei aber auch schlicht nicht vorgesehen. Die Sprecherin der zuständigen Verkehrsverwaltung, Petra Reetz, sagte, dass ein solches Vorhaben gar nicht umsetzbar wäre: „Wenn die Flughafengesellschaft gut ist hat sie bis März 2003 ein Konzept“. Dabei hofft die Verwaltung auf eine baldige Schließung. Frank Beirens, der Deutschland-Direktor von SN Brussels Airlines, betonte, mit den Airlines habe niemand über so einen Plan gesprochen.

Die Flughafengesellschaft hat bereits im Dezember 1999 bei der Senatsverwaltung den Antrag auf Schließung Tempelhofs gestellt. Der Zeitpunkt für das Betriebsende jedoch blieb damals offen. Wie im Konsensbeschluss über die Errichtung eines Großflughafens in Schönefeld und die Schließung von Tegel und Tempelhof festgehalten, ist der Zeitpunkt abhängig von einer rechtskräftigen Baufreigabe für Schönefeld. Diese war ursprünglich früher erwartet worden, jetzt hofft man auf 2004. 1999 habe es entsprechend Pläne für eine Schließung von Tempelhof im Jahr 2003 gegeben, bestätigte Meichsner. Vielleicht beruhe der Bericht auf alten Papieren. Solange im Schließungsantrag noch kein Termin eingetragen ist, wird das Verfahren nicht beginnen. Dieses werde dann auch einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte Reetz. Alle Interessengruppen des Flughafens müssten zunächst angehört werden.

Derzeit starten und landen am Flughafen Tempelhof, der nach BBF-Angaben ein jährliches Minus von 10 Millionen Euro macht, jährlich knapp 50 000 Flugzeuge, das sind 134 Flüge im Schnitt am Tag und 775 000 Passagiere im Jahr. Wohin dann irgendwann die Fluggesellschaften ausweichen, wird zwischen ihnen und der BBF ausgehandelt. Offiziell laufen diese Verhandlungen noch nicht. Da die Schließung jedoch auch ohne Terminplan ausgemachte Sache ist, ist von Vorgesprächen auszugehen. Der Senat hofft, dass die Airlines komplett nach Schönefeld wandern, um diesen Standort zu stärken.

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