Berlin : Kein Bestandsschutz für Ku'damm-Theater

Klaus Wowereit lehnt den Denkmalschutz für die beiden Bühnen wegen möglicher Schadenersatzforderungen ab.

Michael Zajonz

Die Debatte um die Zukunft der beiden Theater im Ku'damm-Karree spitzt sich weiter zu. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) lehnt die Forderung, das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm unter Denkmalschutz zu stellen, eindeutig ab. „Das haben wir schon hundert Mal diskutiert, auch im Parlament“, sagte Wowereit gestern. Zuvor hatte Uwe Lehmann-Brauns, Kulturexperte der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, den Senat aufgefordert, „ernsthaft sicherzustellen, dass die beiden renommierten Theater Berlin erhalten bleiben.“ Dazu sei es notwendig, „auf das Bezirksamt einzuwirken, um beide Theater schnellstmöglich unter Denkmalschutz zu stellen.“

Würden die von Oskar Kaufmann in den zwanziger Jahren für Max Reinhardt errichteten Theaterräume unter Denkmalschutz gestellt, kontert Wowereit, kämen auf das Land Schadensersatzforderungen des Immobilienbesitzers zu. Das Ku'damm-Karree, in das die beiden historischen Bühnen integriert sind, gehört derzeit der amerikanischen Investmentfirma Fortress.

Bereits vorgestern hatte Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) auf Anfrage der Grünen-Kulturpolitikerin Alice Ströver im Abgeordnetenhaus eingestehen müssen, dass der Senat bereits 1998 auf den Bestandsschutz für das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm ab dem Jahr 2005 verzichtet hat. Im Gegenzug kassierte das Land vom damaligen Grundstückseigentümer einen Millionenbetrag. Martin Woelffer, der Direktor der beiden von der Schließung bedrohten Boulevard-Bühnen, beziffert diesen Betrag auf vier Millionen Euro. Er sei in zwei Etappen zwischen 1998 und 2002 in den Landeshaushalt geflossen.

Woelffer hält sich in der derzeitigen verfahrenen Situation mit Anwürfen diplomatisch zurück. Er sehe darin, betont er gegenüber dem Tagesspiegel, auch „eine Riesenchance für die Berliner Kulturpolitik“: „Wenn man den Erhalt unserer Bühnen wirklich will, muss man jetzt etwas dafür tun.“ Potenzieller Verhandlungspartner des Senats für eine einvernehmliche Lösung ist allerdings weder die Deutsche Bank, die das in den siebziger Jahren errichtete Ku'damm-Karree Ende 2002 erworben hatte, noch der derzeitige Eigentümer Fortress. Laut Woelffer bereitet Fortress derzeit den lukrativen Weiterverkauf der City-Immobilie vor: „Es scheint ein Bieterverfahren zu geben.“

Auch Woelffer fordert, dass die beiden Theatersäle endlich unter Denkmalschutz gestellt werden – selbst wenn die Dekoration der historischen Zuschauerräume mit Stuck und Wandmalereien nach 1945 wegmodernisiert worden ist. Vor 1989 wäre es fast schon einmal dazu gekommen. Schließlich habe man schon in den siebziger Jahren den Wert der Bausubstanz erkannt und das Ku'damm-Karree „um sie herum gebaut“. Landeskonservator Jörg Haspel war gestern Nachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Klar ist selbst den Kritikern wie Lehmann-Brauns, dass der Denkmalschutz kaum die Existenzprobleme von 80 Beschäftigten und bis zu 60 Schauspielern lösen würde. Michael Zajonz

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