Berlin : Kein Boom in Biesdorf

Der Frauenfußball hat es schwer, Unterstützer zu finden. Daran wird wohl auch die WM wenig ändern

Sponsor im Spiel. Weltmeisterin Yuki Nagasato (l.) aus Japan im Dress von Turbine Potsdam, Duisburgerin Sonja Fuss. Foto: dpa
Sponsor im Spiel. Weltmeisterin Yuki Nagasato (l.) aus Japan im Dress von Turbine Potsdam, Duisburgerin Sonja Fuss. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Meist ist es der Klassiker des Fußball-Sponsorings: Jemand bezahlt einen neuen Satz Trikots oder eine Busfahrt ins Trainingslager. Davon abgesehen tut sich David Hermann, Vorstand und Schatzmeister des FFC Berlin, bei der Sponsorensuche sehr schwer. „Hauptsächlich klappt das über die Eltern der Kinder“, sagt der 33-Jährige, der den FFC, einen der wenigen reinen Frauenfußballvereine in Berlin, vor sieben Jahren mitbegründet hat. „Manche Eltern spenden selbst etwas, manche gehen zum Chef und sagen: Mein Kind spielt in diesem Verein, die machen eine tolle Arbeit – können sie da nicht was springen lassen?“ Große finanzielle Sprünge kann der Verein nicht machen. Und das wird sich wohl auch nach dem Ende der Frauen-WM kaum ändern. „Ich bin da relativ skeptisch“, sagt Hermann.

Der FFC Berlin hat nur einen festen Geldgeber, ein Zentrum für Zahnmedizin, der die 1. Mannschaft des Vereins regelmäßig unterstützt. Dass es nicht mehr Sponsoren gibt, hat mehrere Gründe. Ein Faktor ist Zeit. Bei ehrenamtlich geführten Vereinen wie dem FFC gibt es niemanden, der sich kontinuierlich um die Akquise von Sponsoren kümmern kann. Natürlich hat Hermann versucht, Geschäfte und Firmen aus dem Umfeld des Vereins in Biesdorf als Sponsoren zu gewinnen, „aber die haben auch anderes zu tun, als den Frauenfußball zu unterstützen“.

Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbands, kennt diese Sorgen, allerdings nicht nur von den Frauen. Ihm ist kein konkretes Beispiel für eine Firma bekannt, die sich in Berlin speziell im Frauenfußball engagiert. „Das große Problem ist, dass der Frauenfußball bis hoch zur Bundesliga in den Medien kaum stattfindet und in absehbarer Zukunft auch nicht stattfinden wird“, sagt Schultz. „Mit dem Werbeaspekt ist es also schwer.“ Die Verantwortlichen der ARD-Sportschau haben sich gerade dagegen entschieden, Spielberichte aus der Frauen-Bundesliga in ihre Sendung aufzunehmen, potenzielle Sponsoren können also auch künftig mit keiner hohen Reichweite rechnen.

Bei der Nationalmannschaft ist das anders. Die Frauen-Auswahl des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) hat überwiegend dieselben Partner wie die Männer. Die Allianz etwa hat ihr Engagement beim DFB im Januar auf die Frauennationalmannschaft ausgeweitet und ist nun Hauptpartner bis 2014, die Commerzbank unterstützt die Nationalteams der Männer und Frauen und den Frauen-Rekordmeister 1. FFC Frankfurt. „Es war natürlich sehr schade, dass die Deutschen bei der WM ausgeschieden sind“, sagt Claudia Seutter von Lötzen, die bei der Allianz für Sponsoring zuständig ist. Das Engagement sei aber langfristig angelegt: „Wir werden auf jeden Fall beim nächsten großen Event, der EM in zwei Jahren, auch noch dabei sein.“ Mit dem „Girls Cup“ für Mädchen zwischen elf und 16 Jahren unterstützt die Allianz auch Nachwuchs und Breitensport, von 130 Mannschaften 2010 wuchs die Zahl der Teilnehmerteams auf mehr als 200 in diesem Jahr. „Daran merken wir, was für ein Potential der Frauenfußball besitzt“, sagt Seutter von Lötzen. Der FFC Turbine Potsdam hat zumindest mehrere Premium-Sponsoren, das Weiterbildungszentrum ZAL ist Hauptsponsor.

David Hermann hofft, dass noch mehr Firmen das Potential des Sports erkennen. Allerdings hat das Telefon beim FFC Berlin zuletzt „nicht ständig geklingelt“ wie bei der WM 2006, als sich viele Mädchen im Verein anmeldeten. „Ich sehe nicht, dass es da einen Boom geben wird“, sagt Hermann. „Aber ich lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen.“ amy /lsp

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