Berlin : Kein Freibrief für große Plakate

Auch in Berlin sind die Genehmigungen für das Anbringen von Riesenpostern nicht immer zu erhalten

Klaus Kurpjuweit

Hamburg und Berlin können sich selbst bei der Frage, wo denn nun das größte Plakat Europas oder gar der Welt hänge, nicht einigen. Das Crowe-Plakat in Hamburg ist 11 Meter hoch und 190 Meter breit und umfasst somit 2090 Quadratmeter. Das mit 3300 Quadratmeter weltgrößte Poster wurde nach Angaben der Initiatoren dagegen am Telefunkenhochhaus der TU am Ernst-Reuter-Platz angebracht.

Doch egal, wo nun das größte Poster hängt, gibt es eine Gemeinsamkeit in beiden Städten: Die Genehmigung für das Anbringen der riesigen Werbeflächen geht meist keinesfalls reibungslos über die Bühne. Ob das Hamburger Motiv auch in Berlin flattern dürfte, ist keinesfalls sicher. Ein Antrag sei bisher nicht gestellt worden, sagte Petra Reetz, die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung.

Empfehlungen über den Umgang mit Werbeplakaten gebe es nur für historische Gebäude, die eingerüstet seien, so Reetz. Sie waren erlassen worden, nachdem es mehrfach Auseinandersetzungen um solche Plakate gegeben hatte, Nun prüfe man, ob das Plakat dem Ort angepasst sei. Das durch die Werbung eingenommene Geld solle zudem in das verhüllte Gebäude investiert werden – wie beim Brandenburger Tor. Grundsätzlich versuche man, auch ungewöhnliche Aktionen möglich zu machen, sagte Reetz. Die Entscheidung liege aber bei den Bezirken.

Besonders kritisch zeigte sich hier in der Vergangenheit der Bezirk Mitte. Dort griff Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) Ende 2001 höchstselbst ein, damit ein Harry-Potter-Plakat (1090 Quadratmeter) für den damals neuesten Potter-Film am damaligen Forum-Hotel werben durfte. Beim Streit in Hamburg argumentiert die Baubehörde, dass die Reklame „das bedeutungsvolle Hafenbild in einer empfindlichen Weise" störe. Die „Genehmigungsfähigkeit von kommerzieller Werbung an einem touristisch wichtigen Standort" sei nicht gegeben. Ein Verwaltungsgerichtsurteil von 1999 stützt das: Das Stadtbild soll durch Werbung nicht verschandelt werden. Ähnlich argumentieren viele Bezirke in Berlin. Sie wehrten sich gegen große Werbetafeln der Firma Wall an Hauptstraßen. Auch der Versuch, die Kosten der Sanierung für das Strandbad Wannsee über Werbeplakate zu finanzieren, ist nicht vorangekommen. Manchmal ist auch unklar, ob die Werbung an einem Gerüst hängt, weil am Haus gebaut wird, oder ob das Gerüst steht, damit die Werbung hängen kann. So einen Streit gibt es am Telefunken-Hochhaus der TU.

Doch wer in einer Liga mit Weltstädten spielen wolle, dürfe sich in Sachen Werbung im öffentlichen Raum nicht kleinkariert geben, ist die FDP in Hamburg überzeugt – und verweist auf den Piccadilly Circus in London oder Times Square in New York.

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