Berlin : Kein Fußkleid den Faschisten

Die Sportschuh-Firma „New Balance“ liefert nicht an Läden mit rechtsextremen Kunden

Frank Jansen

Es gibt Fragen, auf die reagiert der bullige Verkäufer mit dem Bürstenhaarschnitt allergisch. Zum Beispiel, wenn man sich in der Schöneberger Szene-Boutique nach Joggingschuhen der Marke „New Balance“ erkundigt. „Die führen wir nicht mehr“, faucht der Mann, „die Firma meinte, sie müsste uns verarschen und Parolen kloppen!“ Aber warum? Der Verkäufer winkt ab, „deren Geschäftspolitik passt uns nicht“. Es empfiehlt sich nicht, weitere Fragen zu stellen.

Der Grund für den Zwist mit der amerikanischen Sportschuhmarke lässt sich beim Blick auf das Sortiment des Schöneberger Ladens schon ahnen. Da gibt es fast alles, was Rechtsextremisten gerne tragen: Wuchtige Schnürstiefel, schwarze Polohemden der Marke Fred Perry, Shirts von Ben Sherman, Bomberjacken von Alpha, Lonsdale-Pullis. Der Verkäufer präsentiert sich im weißen Kapuzenshirt, auf dem in großen Buchstaben „Lonsdale“ prangt. In so ein Milieu begibt sich New Balance nicht. Bundesweit habe das Unternehmen seit 2002 den Handel mit ungefähr 40 Boutiquen eingestellt, sagt Mathias Boenke, Geschäftsführer von New Balance Deutschland und Österreich. Allein in Berlin und Potsdam werden mindestens drei Läden nicht mehr beliefert. Außerdem weise das Unternehmen potenzielle Kunden ab, die nicht in die „selektive Distributionsstrategie“ von New Balance passen, so Boenke. Manche Läden versuchten es nochmal unter anderem Namen. „Da gibt es gerissene Leute“, sagt Boenke. Eine Chance hätten sie aber nicht.

Mit seiner harten Geschäftspolitik dämpft New Balance, das in Deutschland pro Jahr 500000 Paar Schuhe absetzt, einen obskuren Trend in der rechten Szene. Manche Neonazis legen sich trotz stattlicher Preise die Sporttreter zu, weil darauf ein „N“ prangt – die Rechtsextremisten deuten das Firmenlogo um zum eigenen Symbol. Ähnliches geschah schon anderen Marken, vor allem Lonsdale. Die Buchstaben „nsda“ hatten magische Wirkung auf Hitlerfans. Das britische Unternehmen schien die Zuneigung der braunen Klientel erst zu ignorieren, dann führte Lonsdale eine Kampagne „against racism“. Ein Teil der Nazi-Szene ächtet nun Lonsdale als Verräter, viele Rechtsextremisten tragen die Marke jedoch weiter. Mit solchen Imageproblemen will sich New Balance nicht herumschlagen.

Boenke hält wenig von einer defensiven Strategie. Es gehe nicht darum, sich dagegen zu wehren, von Neonazis vereinnahmt zu werden. „Das Beste ist, wir geben ihnen gar nicht erst die Gelegenheit, unsere Schuhe zu tragen“, sagt Boenke. So schaue sich der Außendienst der Firma „sehr intensiv“ die Händler an, die New Balance verkaufen oder das wollen. Entsteht der Verdacht, einer werbe auch um rechtsextreme Kunden, beende New Balance den Kontakt. „Manche Händler reagieren sehr negativ“, sagt Boenke, „bis hin zu deutlichen Drohungen, dass man die Marke in den Schmutz ziehen werde“.

Natürlich weiß Boenke, dass Neonazis sich in gutbürgerlichen Kaufhäusern ebenso mit New Balance eindecken können, genauso wie mit Fred-Perry-Shirts. Und es ist der Firma bewusst, dass in den boykottierten Geschäften, wie dem in Schöneberg, auch unpolitische Kunden einkaufen. Aber es reicht New Balance, wenn eine Szene-Boutique den Eindruck erweckt, sie schiele auf rechtsextreme Kunden. An Kampagnen gegen Rechtsextremismus werde sich das Unternehmen jedoch nicht beteiligen, sagt Boenke. Stattdessen präsentiert er Details aus der Firmenbilanz, die Neonazis irritieren müssten: „Wir sind die Nummer zwei in den USA – und Marktführer in Israel.“

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