Berlin : Kein Geld - aber ein teurer neuer Vorstand muss her

Klaus Kurpjuweit

Im BVG-Vorstand dreht sich das Personalkarussell. Wenn es voll auf Touren kommt, kann das teuer werden. Vakant ist der Posten des Vorstandsvorsitzenden, der mit weit über 400 000 Mark im Jahr dotiert ist. Der langjährige BVG-Chef Rüdiger vorm Walde war im Sommer als Vorstandsvorsitzender zu den Österreichischen Bundesbahnen nach Wien gegangen. Zum vorläufigen Sprecher des derzeit noch dreiköpfigen Vorstands wurde inzwischen Hilmar Schmidt-Kohlhas bestellt, der für den Personalbereich zuständig ist. Der Senat hat unterdessen weitere Vorstandskandidaten suchen lassen, die jetzt dem Personalausschuss vorgestellt werden.

Während man bei der BVG davon überzeugt ist, dass zur Führung des Unternehmens ein dreiköpfiger Vorstand reicht, hatte vor allem Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) in der Vergangenheit stets betont, die BVG benötige einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Strieder wirft der BVG vor, vor allem bei den Tarifen zu unflexibel zu sein. Vier Kandidaten sind in der engeren Wahl: Der Geschäftsführer der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Saarbrücken, Norbert Walter, der mit seinem SPD-Parteibuch nicht mehr in die politische Landschaft an der Saar mit der CDU-Mehrheit passt, der Chef der Hamburger Hochbahn, Günter Elste, und der Wirtschaftsfachmann Peter Villis von den Magdeburger Stadtwerken. Auch Schmidt-Kohlhas hat sein Interesse am Vorstandssessel angemeldet und wird von der Personalvertretung der BVG unterstützt.

Selbst wenn der Vorstand nicht erweitert werden sollte, ist ein Stühlerücken wahrscheinlich. So gibt es Überlegungen, Technikvorstand Hans-Heino Dubenkropp ebenso in den Ruhestand zu schicken wie Finanzvorstand Joachim Niklas. Beide haben die höchstmögliche Versorgungsgrenze erreicht. Niklas wird vor allem das Desaster beim Fahrscheinverkauf angerechnet, das, wie es heißt, zu einem Millionenverlust geführt hat. Beim neuen personalbedienten elektronischen Fahrausweis-Verkaufs-System (PVS) in privaten Verkaufsstellen hatte es, wie berichtet, Diebstähle und Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung gegeben.

Vor Abschluss der Koalitionsverhandlungen sollte es zwar keine Personalentscheidungen geben, hatte FDP-Chef Günter Rexroth gefordert, doch Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) hatte klar gemacht, dass die Vorstandssuche bei der BVG nicht gestoppt werde. Die Finanzsenatorin ist Aufsichtsratsvorsitzende der BVG.

Ein erneutes Heuern und Feuern könnte es geben, wenn die BVG und die S-Bahn fusionieren, wie es die SPD vorantreibt. Die möglichen Koalitionspartner FDP und Grüne lehnen die Fusionspläne allerdings weiter ab. Eine Einigung ist hier noch nicht in Sicht.

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