Berlin : Kein Geld für Bücher: Büchereien droht Einkaufsstopp

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Wegen des sich immer stärker ausweitenden Finanzlochs befürchtet die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) im kommenden Jahr keine neuen Bücher, Zeitschriften und CDs mehr anschaffen zu können. Nach derzeitigen Berechnungen habe die am meisten besuchte Bibliothek in Deutschland im Jahr 2001 bei einem Etat von 38,9 Millionen 3,9 Millionen Mark zu wenig in der Kasse, sagte gestern ZLB-Generaldirektorin Claudia Lux. Sie warf der Kulturverwaltung vor, in ihrem Haushaltsansatz die Sparvorgaben zu überziehen. Danach muss die ZLB zusätzlich zu einer Summe von 1,9 Millionen Mark noch einmal 1,66 Millionen einsparen. Zu den Einsparungen kommen aber auch Kostensteigerungen, etwa durch Tariferhöhungen.

"Wir können so unserem öffentlichen Auftrag nicht nachkommen", sagte ZLB-Sprecherin Sabine Walz. Über den beiden Häusern am Blücherplatz und in der Breiten Straße kreise der Pleitegeier, sagte Dieter Beuermann, Vorsitzender im ZLB-Stiftungsbeirat. Claudia Lux sieht nun zudem den für April 2000 geplanten Beitritt zum Verbund der öffentlichen Bibliotheken gefährdet, in dem man von jeder öffentlichen Bibliothek Zugriff auf alle anderen Häuser haben soll.

"Wir haben mit 1,9 Millionen Mark unsere Leistung erbracht", sagte Lux. "Darüber hinaus ist nichts möglich", es sei denn, man taste den Erwerbsetat an. Zurzeit kauft die Zentral- und Landesbibliothek pro Jahr rund 55 000 Medien ein. Darunter sind etwa 3600 Zeitschriftenabos. Gerade dort entstehe einer Bibliothek bei einer "Nullrunde" erheblicher Schaden, sagte Dieter Beuermann. Bibliothekare müssten später Lücken in den Beständen wieder auffüllen. Lux betonte, dass diese Kürzungen vor allem den Bürger träfen. Die Aktualisierung des Bücherbestandes sei unter anderem "für die Fort- und Weiterbildung" von Berlinern "unerlässlich". Die Sprecherin Sabine Walz sagte, wenn man anstrebe, dass die Bevölkerung mit dem Internet vertrauter werde, müsse man Bibliotheken besser ausstatten. In der ZLB stünden allein 18 Internetterminals, die kostenlos benutzt werden könnten.

Der Ansatz war am Montag in einem Ausschuss des Abgeordnetenhauses diskutiert worden. Mit ihm wird sich am 15. November der Hauptausschuss beschäftigen. Der Buchhändler Andreas Kiepert, der auch Mitglied des Stiftungsrates ist, appellierte an die Politik, "Bewegung in die Sache" zu bringen. Die Einführung höherer Gebühren sei nicht der der richtige Weg, sagte Lux. Sie warnte, vor dem Bibliotheksbesuch hohe Hürden aufzubauen.

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