Berlin : Kein Geld für die Liebe: Love Parade noch ohne Sponsor

Pro und Contra: Soll das Technospektakel mit Steuergeldern gerettet werden?

Cay Dobberke

Ein rettender Sponsor für die abgesagte Love Parade ist weiterhin nicht in Sicht. Die Abfall- und Recyclingfirma Alba wies gestern Gerüchte zurück, sie erwäge eine finanzielle Unterstützung des Techno-Massenspektakels. „Zusammen mit der BSR haben wir den Müll ja schon zum Selbstkostenpreis beseitigt“, sagte Alba-Sprecher Axel Bahr. Dieses Angebot gelte auch in diesem Jahr, darüber hinaus sei aber kein Engagement geplant. Auch aus anderen Branchen wie dem Hotelgewerbe und der Musikindustrie gibt es noch keine Sponsoring-Angebote. Ohne die fehlenden 700 000 Euro muss die Love Parade nach Angaben der Veranstalter jedoch ausfallen.

Ob hunderttausende Raver am 10. Juli durch den Tiergarten ziehen können, wird wohl erst im Laufe der kommenden Woche feststehen. Die Finanzlücke soll hauptsächlich auf Sicherheits- und Reinigungskosten beruhen. Jahrelang hatte das Land Berlin dafür gezahlt, weil die Parade als Kundgebung anerkannt war. Doch 2001 verlor sie diesen Status, woran auch eine Verfassungsklage der Veranstalter nichts änderte. Im vorigen Jahr war die Party nur noch möglich, weil eine Cateringfirma der Messe Berlin als Mitveranstalter einsprang. Das landeseigene Unternehmen machte allerdings einen Verlust von rund 500 000 Euro und lehnt eine neuerliche Beteiligung deshalb ab.

Als einziger Berliner Politiker hat sich der CDU-Abgeordnete Kai Wegner dafür ausgesprochen, die Parade notfalls mit öffentlichen Geldern zu retten. Dagegen lehnt Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) die „Dauersubventionierung einer privatwirtschaftlichen Veranstaltung“ ab. Der Senat will die Love Parade wegen ihrer internationalen Bekanntheit trotzdem in der Stadt halten. In den laufenden Verhandlungen geht es besonders um Einsparmöglichkeiten und die Sponsorensuche. Paraden-Organisator Ralf Regitz von der Firma Planetcom lobt die Gespräche als „konstruktiv“ und hofft auf eine baldige Lösung. Regitz kritisierte die Absage des Termins durch die Love Parade GmbH, die der Veranstalter und Markeninhaber ist, als voreilig.

Politiker aus Hamburg, München und weiteren Städten haben bereits Interesse an der Parade signalisiert. Aber zumindest für dieses Jahr schließen die Veranstalter einen Ortswechsel aus. Abgesehen von den aktuellen Rettungsbemühungen lautet ihr erklärtes Ziel, 2005 wieder im Tiergarten zu feiern. Dafür bot inzwischen auch die Stadtmarketing-Agentur „Partner für Berlin“ ihre Hilfe bei der Sponsorensuche an.

Sollte die Parade wirklich ausfallen, gäbe es zumindest kleinere Ersatzveranstaltungen. Wie berichtet, hat die Agentur „Machen und Tun“ für diesen Fall eine Demonstration am 10. Juli im Tiergarten angemeldet. Und Berliner Clubs erwägen sowohl eine Zusammenarbeit mit der Love Parade als auch eine eigene, siebentägige „Love Week“.

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