Berlin : Kein Geld für Gottes Wort

Der Senat will Millionen beim Religionsunterricht einsparen

Claudia Keller

Kein Religionsunterricht mehr in der Schule oder zumindest ein stark eingeschränktes Angebot: Das befürchten Vertreter der evangelischen Kirche, falls der Senat wie geplant die Zuwendungen für den religiösen Unterricht weiter kürzt. So sollen die Kirchen dieses Jahr zwei Millionen Euro weniger bekommen und im Jahr 2005 insgesamt fünf Millionen Euro weniger. Das sieht der Entwurf für den neuen Haushalt vor.

Die Kirchen sind alarmiert, zumal die Protestanten vergangenes Jahr bereits eine Klage gegen die Kürzungen eingereicht haben, weil sie ihrer Meinung nach gegen Verträge zwischen dem Land Berlin und der Kirche verstoßen. Die Kulturverwaltung, die im Senat für den Religionsunterricht zuständig ist, will die Kürzungspläne nicht bestätigen. Es müsse zuerst einen Senatsbeschluss geben, sagt Sprecher Torsten Wöhlert. Der Haushalt soll im März beschlossen werden.

Eine erneute Kürzung der staatlichen Gelder werde zur „Austrocknung des Religionsunterrichts in Berlin führen“, sagt Steffen-Rainer Schultz, der bei der Evangelischen Kirche für den Religionsunterricht zuständig ist. Er kennt die Sparpläne. Vor allem im Ostteil der Stadt und in den Problemkiezen in Kreuzberg, Wedding und Neukölln könne dann wohl kein Unterricht mehr stattfinden. Sein Kollege von der Katholischen Kirche, Schulrat Klaus Sieber, stimmt ihm zu. Schultz weiß noch von weiter reichenden Planungen. „Auch 2006 und 2007 will der Senat jeweils fünf Millionen Euro einsparen“, sagt er.

„Verantwortungslos“ sei das. Im Religionsunterricht werde Kindern eine Grundortierung vermittelt, die ihnen helfe, „Religionen als Chancen und Gefahren“ zu erkennen und keinen Scharlatanen aufzusitzen.

2003 hat der Senat 50 Millionen Euro für den Religionsunterricht ausgegeben. Davon gingen 31,8 Millionen Euro an die Protestanten, 8,3 Millionen Euro an die Katholiken. Den Rest teilten sich der Humanistische Verband, die Jüdische Gemeinde und muslimische Gruppen. „Wir können die wegfallenden Mittel nicht auffangen“, sagen Schultz und Siebert. Die Kirchen haben selbst kein Geld. Das Erzbistum muss einen riesigen Schuldenberg abbauen.

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