Berlin : Kein Geld für neue Straßenbäume

Rückstand bei Neupflanzungen nach Sturmschäden

Klaus Kurpjuweit

Wo einst prächtige Bäume standen, gibt es heute oft nur noch Stümpfe oder leere Flächen, auf denen höchstens das Wildkraut sprießt. Und der Kahlschlag in Berlins Straßen geht weiter: In Charlottenburg-Wilmersdorf müssen jetzt zahlreiche Bäume gefällt werden, die bei Stürmen in den vergangenen Jahren beschädigt worden waren. Für Nachpflanzungen in großem Stil fehlt jedoch das Geld. So werden weiter an vielen Stellen nur Stümpfe an das einstige Grün erinnern. Und den nächsten Sturm erwarten die Meteorologen bereits am Donnerstag.

„Viele Schäden lassen sich erst jetzt feststellen“, sagt Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler. Auf der Liste des Grünflächenamts stehen auch Bäume, die bereits bei dem großen Sturm im Juli 2002 beschädigt worden waren, was damals nicht sofort zu erkennen gewesen sei. Schon jetzt müsste der Bezirk aus den vergangenen Jahren rund tausend Bäume nachpflanzen. Doch nur 200 bis 250 lasse der Etat für dieses Jahr zu, sagt Gröhler. Die Bilanz wird sich weiter verschlechtern: 100 bis 150 Bäume sollen fallen, weil sie sturmgeschädigt oder krank sind. Insgesamt zählt der Bezirk etwa 45 000 Bäume.

Rund 1000 Euro kostet nach Gröhlers Angaben ein neuer Baum. Doch mit Geld allein ist es nicht getan. Die Jungpflanzen müssen auch drei Jahre intensiv gepflegt werden, was wiederum zu Kosten führt.

Geld für neue Bäume an den Straßen fehlt aber auch, weil ein Sturm im vergangenen Sommer besonders den Ruhwaldpark verwüstet hatte. Die Anlage musste danach sogar monatelang gesperrt werden. Allein hier sei ein Schaden von etwa 75 000 Euro entstanden, sagt Gröhler.

Aber auch die Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr habe den Etat strapaziert. Um ein schönes Olympiastadion in einer gepflegten Umgebung präsentieren zu können, wurde 2006 vor allem dort neu gepflanzt – etwa auf dem Grünstreifen der Flatowallee.

Wie die besonders von den Stürmen betroffenen Bezirke Spandau und Steglitz-Zehlendorf hatte auch Charlottenburg-Wilmersdorf gehofft, dass der Senat eine Sonderzahlung locker macht – wie es Hamburg nach Stürmen für die dort betroffenen Bezirke gemacht habe. Doch Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) rückte keinen Cent zusätzlich heraus.

Gröhler hofft nun, dass es weitere Spenden für Neupflanzungen gibt. Wie von dem Unternehmer Hans Wall, der zwei Bäume auf dem Kurfürstendamm finanziert hat. Eine Baumspende kann immerhin auch von der Steuer abgesetzt werden.

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