Berlin : Kein Geld für Streicheleinheiten

Udo Badelt

An schönen Tagen besuchen über 200 Kinder und Erwachsene den Kinderbauernhof im Görlitzer Park. Auf dem Gelände, das vor 20 Jahren angelegt wurde, leben heute 40 Tiere. Manche der jugendlichen Besucher wollen nur gucken und streicheln. Andere kommen regelmäßig und haben sogar ihr eigenes Schaf oder Karnickel, das sie pflegen. Der Kinderbauernhof ist nicht nur eine Gegenwelt zur städtischen Umgebung, sondern auch ein Ort für Kinder- und Jugendarbeit. Dieses Idyll ist jetzt gefährdet infolge der Berliner Finanzlage.

Der Etat von Jugendstadträtin Cornelia Reinauer (PDS) ist von 4,5 Millionen Mark in diesem Jahr auf 2 Millionen für 2002 geschrumpft. "Jetzt sind wir an dem schmerzlichen Punkt angelangt, an dem die drastischen Auswirkungen der Finanzlage deutlich werden", so die Stadträtin. Seit einer Woche liegt von ihr ein Sparvorschlag auf dem Tisch: Von den 36 Projekten im Bezirk würden neun nur noch einen Teil der bisherigen Förderung erhalten. Zwei Projekten, darunter dem Kinderbauernhof, würde der Geldhahn vollständig abgedreht. "Die Schließung unseres Bauernhofs wäre für den Bezirk ein großer Verlust", meint Leiterin Claudia Hiesel. "Er ist nicht nur eine wichtige Begegnungsstätte, sondern übernimmt auch eine Schutzfunktion." Viele Kinder und Jugendliche würden sich alleine gar nicht in den Park trauen, da die Dealerszene zunehmend von der Hasenheide hierher wandern und es auch Kinderprostitution im Park geben würde. Über 220 000 Mark erhielt der Bauernhof in diesem Jahr vom Bezirk. Damit wird der größte Teil der Personalkosten gedeckt; in dem Projekt sind vier Personen fest angestellt. Sechs weitere Stellen würden durch andere Maßnahmen wie ABM oder Zivildienst sowie durch Spender finanziert.

"Eine Schließung würde auch das Ende dieser zusätzlichen Gelder bedeuten", so Frau Hiesel, "und noch mehr Personen würden arbeitslos." Nächste Woche wird der Jugendhilfeausschuss der Bezirksverordnetenversammlung erneut über die Situation diskutieren, mit einer Entscheidung kann allerdings erst nach der Konstituierung des neuen Bezirksamtes Ende November gerechnet werden.

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