Berlin : Kein Geld, kein Urlaub, kein Schutz DHM wird vorgeworfen, Praktikanten auszunutzen

Christina Kohl

Ohne Bezahlung, ohne Urlaub, ohne Unfallschutz: Unter diesen Bedingungen sollte eine Hochschulabsolventin offenbar sechs Monate lang für das Deutsche Historische Museum (DHM) arbeiten. Für dieses unmoralische Angebot hat der Praktikantenschutzverein Fairwork das DHM jetzt mit dem Preis „Raffzähne 2007“ ausgezeichnet. Besonders empört hat den Verein, dass sich das Museum aus Bundesmitteln finanziert.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt die Fairwork-Vorsitzende Bettina König über den Praktikumsvertrag des DHM. Es habe zahlreiche Anwärter auf die „Raffzähne“ gegeben, die Entscheidung für das Museum sei aber letztlich einstimmig gefallen. Eine besondere Rolle spielte dabei auch, dass es sich um eine öffentliche Einrichtung handelt: „Die sollten eigentlich Vorbilder sein.“

Die zukünftige Praktikantin sah das offenbar genauso, und hat das Angebot des DHM gar nicht erst angenommen. Stattdessen ließ sie Fairwork den Vertrag prüfen. Der vom Verein konsultierte Anwalt Christian Regnery sei entsetzt gewesen über die Forderungen des Museums, sagt Bettina König. Sich vom Unfallschutz befreien zu lassen, halte der Anwalt für rechtswidrig.

Gegenüber dem Tagesspiegel war gestern vom Museum keine Stellungnahme zu erhalten. Der Süddeutschen Zeitung gegenüber griff der Museumssprecher Rudolf Trabold am Donnerstag seinerseits das Verhalten der Praktikantin an. Üblicherweise dauerten Praktika im DHM drei bis acht Wochen und würden an Studenten vergeben. Im jetzt bekannt gewordenen Fall habe sich die Absolventin „aus eigener Initiative an das Museum gewendet“. Als man ihr die Hospitanz gewährt habe, habe sie „ihre Bewerbung ohne Begründung zurückgezogen“.

Bettina König weist diese Behauptungen zurück: Ein anderes Fairwork-Mitglied habe die geschilderten Arbeitsverhältnisse beim DHM bestätigt. Sechs Monate umsonst arbeiten sei für die Museumspraktikanten durchaus normal. Fairwork bietet deshalb an, Verträge vorher zu prüfen. Auch Silvia Helbig, Jugendreferentin beim Deutschen Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg, sind Praktika und Volontariate in Museen als „prekär“ bekannt. Kürzungen der öffentlichen Gelder gingen häufig zu Lasten der jungen Mitarbeiter. Christina Kohl

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