Berlin : Kein Gleichgewicht

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VON TAG ZU TAG

Bernd Matthies über den Standortfaktor Hotelpreis

Nehmen wir mal dies an: Ein ausländischer Investor kauft sich für viele Millionen eine Berliner Fabrik, die wegen bedenklichen Preisverfalls Miese ohne Ende macht. Er stellt das Projekt dennoch vor, weil er unverdrossen auf Besserung der Marktlage hofft – und neben ihm sitzt Senator Strieder und teilt mit, och, also seinetwegen könnten die Preise ruhig da unten bleiben.

Unsinn, nicht? Aber setzen Sie statt „Fabrik“ einfach „Hotel“, dann stimmt die Sache. Rocco Forte, der einen Haufen Geld in sein „Grand Hotel de Rome“ steckt, Geld, das er irgendwann auch mal zurückbekommen will, war erkennbar nicht beglückt über den Wunsch des Senators, der wohl lieber geschwiegen hätte, statt den Rächer der enterbten Touristen zu geben.

Dabei hat der Senator ja durchaus Recht: Die Berlin-Besucher können froh sein über das seltsam niedrige Niveau der Hotelpreise in der Stadt. Doch das ist nur die eine Seite. Denn so niedrige Hotelpreise zeigen eben, dass der Markt nicht im Gleichgewicht ist, dass aus der weiten Welt eben durchaus nicht so viele Besucher nach Berlin kommen, wie wir das gern hätten. Doch mit der Fortsetzung des Preiskampfes ist niemandem gedient, weder den Hotels, noch den Berlinern. Nehmen wir die Städte mit den weltweit teuersten Hotels, zum Beispiel Paris oder London: Alle stöhnen über die Preise – und fahren nach Kräften hin. Das ist normal für eine Metropole. Und es zeigt umgekehrt, dass Berlin noch keine richtige ist.

Senator Strieder sollte jedenfalls die unselige Geiz-Debatte nicht auch noch aufs Stadtmarketing übertragen. Sondern Sir Rocco gratulieren, wenn er einst mit seinem Hotel richtig gutes Geld verdient.

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