Berlin : Kein Glück mit Fortuna

Risse am Portal: Behörden und Unternehmen schieben sich gegenseitig die Verantwortung für Schäden zu

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Bauwerk mit Symbolkraft. Das Fortunaportal konnte 2002 dank einer Drei-Millionen-Euro-Spende des Fernsehmoderators Günther Jauch errichtet werden. Das gab den Anstoß für den Wiederaufbau des Stadtschlosses und ebnete den Weg für die nun anstehende Wiederbelebung von Potsdams historischer Mitte. Foto: Andreas Klaer
Bauwerk mit Symbolkraft. Das Fortunaportal konnte 2002 dank einer Drei-Millionen-Euro-Spende des Fernsehmoderators Günther Jauch...

Potsdam - Schäden am Fortunaportal in Potsdam haben jetzt zu einem bizarren Streit geführt. Behörden und Unternehmen schieben sich seit drei Wochen gegenseitig die Schuld zu. Durch die Portalbögen der Nord- und Südfassade des Sandstein-Bauwerks, durch die Gesichterskulpturen von Hermes und Minerva ziehen sich deutliche Risse. Niemand will dafür verantwortlich sein – weder auf der einen Seite der Sanierungsträger der Stadt Potsdam noch auf der anderen das brandenburgische Finanzministerium samt Konzern BAM Deutschland AG, der den Landtag für 120 Millionen Euro in der historischen Fassaden des Knobelsdorff’schen Stadtschlosses aufbaut und 30 Jahre lang an das Land vermietet. Das Fortunaportal hat Symbolkraft. Mit einer Drei-MillionenEuro-Spende des Fernsehmoderators Günther Jauch konnte das Bauwerk 2002 errichtet werden. Es gab nicht nur den Anstoß für den Wiederaufbau des Stadtschlosses, sondern ebnete den Weg für die nun anstehende Wiederbelebung von Potsdams historischer Mitte.

Bislang beharrte die BAM, die nur über das Finanzministerium Anfragen beantwortet, darauf, die Risse im Torbogen seien bereits vor der Übergabe des Portals zum ersten Spatenstich im März festgestellt worden und hätten sich im Vergleich zu 2006 verstärkt. Der Sanierungsträger der Stadt Potsdam dagegen vermutet, dass die „gegenwärtig zu verzeichnenden Schäden“ und „für die Standsicherheit offensichtlich problematischen Risse“ bei den Gründungsarbeiten für den Landtag entstanden sind. Die BAM aber hält das Bauwerk für „standsicher“, seit Beginn der Baumaßnahmen im April seien keine Veränderungen festgestellt worden. Das bezweifeln Kenner in Potsdam, sie wollen beobachtet haben, dass die Risse größer geworden sind.

„Das ist verheerend und bedenklich“, sagt Joachim Kuke vom Stadtschloss-Verein. Das Fortunaportal sei ein Geschenk an das Land, „mit dem nicht umgangen wird, wie man mit Geschenken umgeht. Das ist nicht gerade eine Ermutigung für Mäzene, der öffentlichen Hand unter die Arme zu greifen.“ Kuke schrieb an Jauch und entschuldigte sich dafür, wie mit seiner Spende umgegangen wird.

Schon 2006 hatten Statiker das Finanzministerium gewarnt. Das Fortunaportal sei in Gefahr, es könnte zu Setzungsrissen kommen, wenn eine Tiefgarage unter dem neuen Schloss gebaut werde. Nun heißt es, das Fundament des Portals sei bei vorbereitenden Arbeiten für die Tiefgarage um fünf Zentimeter gen Nordwesten gerutscht. Bestätigen will das niemand. Ungeklärt ist auch, wer für die Schäden aufkommt.

Die Warnung vor der Tiefgarage hatte einen Grund. Das Portal steht auf dem historischen, im Bombenhagel 1945 stark beschädigten Fundament im märkischen Sand, der Boden war aber für den Wiederaufbau aus Rücksicht auf die Bodendenkmäler nicht verfestigt worden. Das holt die BAM jetzt nach, mit einem Hochdruckinjektionsverfahren wird Flüssigbeton in den Untergrund gespritzt. Erst danach soll es auf der Baustelle richtig losgehen.

Ohnehin ist der Neubau des Landtags um Monate im Verzug, statt Ende 2012 wird er wohl erst im Frühjahr 2013 fertig. Der Termin für die Grundsteinlegung war mehrmals verschoben worden. Statt wie zunächst geplant im August soll es Mitte Januar so weit sein. Die Arbeiten verzögerten sich, weil es zwischen der Stadt und der BAM Streit über Auflagen in der Baugenehmigung gab. Es ging um archäologische Untersuchungen und wegen Fehlplanungen für die Tiefgarage komplett neu zu verlegende Anschlüsse für Strom und Wasser, was Mehrkosten von 750 000 Euro verursachte.

Günther Jauch selbst hält sich zurück und will den Streit nicht weiter kommentieren. Er kümmert sich jetzt um die Potsdamer Arche, wo Kinder aus bedürftigen Familien eine warme Mahlzeit bekommen. Alexander Fröhlich

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