Berlin : Kein Kummer mit der Nummer

Seit Sonntag fährt die neue Buslinie M41 – und die Fahrgäste finden’s toll

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Dieter Fiedrowicz steht Sonntagvormittag an der Haltestelle. Er wartet nicht auf den Bus, studiert nur die neuen Fahrpläne. Er notiert sich am Waterlooufer die Abfahrtzeiten der Metrolinie M41 zwischen Philharmonie und Sonnenallee. Vom ZehnMinuten-Takt auch am Sonntag ist er begeistert. „Für mich ist die Linie goldrichtig. Ich komme bequem und ohne Umsteigen vom Mehringplatz zum Hermannplatz. Und in anderer Richtung bequem in den Tiergarten.“ Mit dem Auto fahre er da jetzt sowieso nicht mehr hin, sagt Fiedrowicz, „wo das wegen der Parkgebühren so viel kostet.“

So wie an dieser Haltestelle sieht es sonntags an vielen Bus- und Straßenbahnstationen der Stadt aus. Leute notieren, vergleichen und wundern sich, dass die Hinweistafeln an den Haltestellen wie ein Flickenteppich aussehen. Da wurden über Nacht Linien gestrichen, neue hinzugefügt und vielerorts durch das orangefarbene „M“ ergänzt. Als der M 41 pünktlich aus Richtung Tempelhofer Ufer anrollt, blickt Fiedrowicz geradezu glücklich. „Auf den kann ich mich offenbar verlassen.“ Die U-Bahn will derKreuzberger nicht mehr nehmen, auch wenn er ausgerechnet hat, dass er zum Hermannplatz jeweils dieselbe Zeit braucht.

Der Metro-Bus fährt fast leer heran. Es ist noch nicht die Zeit, aus Richtung Philharmonie und Potsdamer Platz zu kommen. „Warten Sie mal morgen den Berufsverkehr ab,“ sagt der Fahrer. Aber am Hermannplatz füllt sich der Wagen. „Du meine Güte, ich habe gar nicht auf die Nummer geachtet“, sagt eine junge Frau. Sie glaubte, im 241er zu sitzen. Die Linie ist ausrangiert, fuhr bis Sonnabend vom Halleschen Tor bis Sonnenallee.

Auch andere im Bus achteten beim Einsteigen nicht auf die neue Linienbezeichnung. Auf der Rückfahrt steigt an der Baumschulenstraße/Sonnenallee Familie Resch ein. Sie freut sich, dass es jetzt eine direkte Verbindung zum Potsdamer Platz gibt, ohne langwieriges Umsteigen auf dem S-Bahnhof Papestraße. „Die Mitte ist näher gerückt und die Kinder fahren lieber Bus.“ Das Ehepaar Ziese, das an der Sonnenallee wohnt, will „nur mal bis zum Ende durchfahren“ und im Tiergarten spazieren gehen. Fahrgäste sparen schon beim Einstieg nicht mit Lob über die neue Verbindung zum Tiergarten. „Das hören wir wirklich mal gern“, freut sich Busfahrer Axel Jauer. Der Bus ist jetzt richtig voll. Jauer fährt vor seiner ersten Tour zur Probe beim Kollegen mit. Während sich an den Haltestellen BVG-Kunden Fahrpläne notieren, macht er selbst fleißig Notizen: Die Lage der neuen Haltestellen muss sich allen schnell einprägen.C. v. L.

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