Berlin : Kein Kurzfilm

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VON TAG ZU TAG

Fatina Keilani sieht bei den Dieben der Berlinale nur sehr kleines Kino

Zwei Männer schlendern also zur besten „Berlinale“-Zeit durch den Nachtclub Adagio, der unten im Berlinale-Palast liegt. Sie verirren sich zumindest scheinbar in die Gegenden des Clubs, in denen es ruhiger zugeht, weil dort nicht mehr die Party tobt, sondern bloß noch Bürozone ist. Die Bürotür steht offen. Wäre dies ein Krimi, so könnte er vielleicht „Bei Gelegenheit Diebstahl“ heißen, das ist zwar weniger doll als „Bei Anruf Mord“, aber immerhin. Sind die Männer Partygäste? Vielleicht sogar Stars? Haben sie zu viele Ganovenrollen gespielt? Jedenfalls gehen die zwei in das offene Büro. Ein Blick genügt. Der Tresor ist zwar verschlossen, besonders handlich ist er auch nicht, aber er lässt sich schleppen. Dass er zu ist, lässt darauf hoffen, dass was drin ist, Knete, Kohle, Zaster. Klarer Fall! Huckepack das Ding, Kollege sucht schon mal die Tür nach außen und findet sie. Schnell weg. Zu dumm, dass die Alarmanlage anschlägt. Ein Wachmann sieht zwei Männer flüchten, wobei einer „zunächst einen Safe trug“, wie die Polizei schreibt. Mit dem schweren Kasten auf dem Kreuz können die Diebe nicht schneller sein als die Polizei, sie keuchen und hasten und werfen in ihrer Not den Safe in den künstlichen See auf dem Marlene-Dietrich-Platz, wo er „später von der Feuerwehr geborgen wurde“. Jungs, das hätte nicht mal für einen Kurzfilm gereicht. Zu glatt die Tat, zu jäh der Schluss. Aber für das wahre Leben reichte es: So geschah es in der Nacht zum Sonntag im Adagio.

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