Berlin : Kein LER: Böger will das neue Wertefach „Ethik“ nennen

Rahmenplankommission tagte zum ersten Mal. Wissenschaftler der Freien Universität blieben außen vor

Susanne Vieth-Entus

Das neue Fach zur Wertevermittlung an Berliner Schulen nimmt Gestalt an. Gestern tagte erstmals die Rahmenplankommission, die die Inhalte festlegen soll. Der Name des neuen Faches soll anders als in Brandenburg nicht LER (Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde) lauten, sondern schlicht „Ethik“, wie der Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Jens Stiller, gestern bestätigte.

Mit Spannung war die Zusammensetzung der Kommission erwartet worden, weil sie verrät, in welche Richtung die Vorstellungen von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) gehen. Anders als erwartet hat er sich nicht für einen LER-Fachmann aus Potsdam entschieden. Der bekannteste Wissenschaftler auf der Liste ist Volker Gerhardt, der den Lehrstuhl für praktische Philosophie, Rechts- und Sozialphilosophie an der Humboldt-Universität (HU) innehat. Ebenfalls von der HU kommt der Philosoph Héctor Wittwer, der als einen Arbeitsschwerpunkt Moralphilosophie angibt. Von der Technischen Universität ist Philosoph Walter Pfannkuche dabei.

Dass Böger dem Berliner Modellversuch Ethik/Philosophie, der seit zehn Jahren läuft, große Bedeutung beimisst, wird anhand der übrigen Kommissionsmitglieder deutlich. Es sind drei Lehrer, die alle Ethik/Philosophie unterrichten. Da es bei dem neuen Rahmenplan vor allem darum gehen muss, ihn den Bedürfnissen der verschiedenen Schulformen anzupassen, kommt jeweils einer der Lehrer aus einer Hauptschule, aus einer Realschule und aus einem Gymnasium.

Verwundert reagierte man gestern an der Freien Universität (FU), von der kein Vertreter in die Kommission berufen wurde, obwohl deren Erziehungswissenschaftler den Modellversuch seit 1996 begleiten. „Das ist nicht klug und nicht zu verstehen“, sagte Erziehungswissenschaftler Joachim Beschorner. Die Senatsverwaltung betonte, dass es sich zunächst nur um eine „Kernkommission“ handele, die erweitert werden solle.

Um zu verdeutlichen, dass die FU „als einzige Berliner Universität über alle Fachdisziplinen verfügt“, die für die künftige Ethiklehrer-Ausbildung wichtig wären, lädt die SPD Steglitz-Zehlendorf am 24. Mai zu einer Diskussion mit Fachleuten, darunter FU-Vizepräsident Werner Väth und Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer (19.30 Uhr, Domäne Dahlem).

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