Berlin : Kein Platz mehr für den Paddelclub

Für die Erneuerung der Freybrücke müssen in Spandau erste Anlieger weichen

Rainer W. During
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„Für uns ist es eine Frage der Existenz“, sagt Stefan Stammberger. Er ist Vorsitzender des Paddelclubs Wiking. Seit gut einem halben Jahrhundert residieren die Wassersportler auf einem eigenen Grundstück am Mahnkopfweg in Spandau. Doch jetzt müssen sie weichen, denn genau über das Vereinsgelände wird künftig eine Brücke verlaufen. Über die soll ab 2010 während des Abrisses und Neubaus der Freybrücke der Verkehr auf der Heerstraße rollen.

Das fast 100 Jahre alte Bauwerk ist, wie berichtet, eine der Brücken, die im Zuge des Ausbaus der Havel als europäische Wasserstraße für größere Binnenschiffe in den kommenden Jahren erneuert werden. Neben der Freybrücke wird das die Rohrdammbrücke, die Schulenburgbrücke und die Dischingerbrücke betreffen. Und auch die Spandauer-Damm- Brücke über den Autobahn-Stadtring wird erneuert. Das wird einerseits den Verkehrsfluss zwischen Spandau und der Innenstadt beeinträchtigen, andererseits auch viele Anwohner.

Die alte Freybrücke ist 50 Zentimeter zu niedrig und der Abstand zwischen den Pfeilern ist zu gering, sagt Christiane Lingen. Sie ist Fachbereichsleiterin für den Entwurf von Ingenieurbauwerken bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Weil die fünfspurige Heerstraße als wichtigste Verkehrsachse in Richtung Westen nicht gesperrt werden kann, wird für die Zeit der Bauarbeiten nördlich davon eine vierspurige Behelfsbrücke errichtet. Der Havelausbau ist Sache des Bundes, also trägt das Wasserstraßen-Neubauamt die Gesamtkosten von rund 20 Millionen Euro.

Die Umgehung ist nur auf der Nordseite möglich, auf der Südseite hätte man die jordanische Botschaft abreißen müssen. In gut zwei Jahren sollen deshalb die drei historischen Gebäude der Wassersportler der Abrissbirne zum Opfer fallen. Die rund 120 Wikinger haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden, aber sie kämpfen um Schadensbegrenzung. Weil eine Entschädigung zum Zeitwert den Verlust von Grundstück und Gebäuden nur teilweise ausgleichen würde, hoffen sie auf politische Initiativen zur Erstattung der Differenz.

Auch am gegenüberliegenden östlichen Havelufer stehen „sicher einige Laubengrundstücke“ der Behelfsbrücke im Weg, sagt Christiane Lingen. Auf 30 Parzellen herrsche Schrebergartenidylle. Jetzt sind die Laubenpieper verunsichert. Doch bisher können auch die Grundstückseigentümer ihren Pächtern nicht sagen, was Sache ist.

Im Planfeststellungsverfahren, das im kommenden Jahr beginnt, können sich alle Betroffenen äußern, so der Leiter des Berliner Wasserstraßen-Neubauamtes, Hans-Jürgen Heymann. „Wir erwarten 2009 den Beschluss und somit Baurecht“, sagt Christiane Lingen. 2010 soll dann die Behelfsbrücke gebaut werden. Das soll rund sechs Monate dauern. Danach wird die alte Konstruktion abgerissen und die neue Brücke errichtet. Zwei Jahre sind für deren Abriss und Neubau veranschlagt. Bis dahin sind Staus vor allem im Berufsverkehr wahrscheinlich. „Das gibt ein unvorstellbares Chaos“, vermutet einer der Anwohner. Rainer W. During

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