Berlin : Kein Platz mehr

In der Friedrichstraße wird es jetzt eng: An der Ecke Unter den Linden verschwinden das Hotel und die Freifläche zugunsten eines Büroneubaus

Matthias Oloew

Für Knut Riesmeier ist kein Superlativ zu groß. Eine Adresse mit „globalem Bekanntheitsgrad“ sei das Grundstück Friedrichstraße, Ecke Unter den Linden. Und deshalb macht dem Geschäftsführer der Münchener Meag – das ist so etwas wie die Vermögensverwalter der Münchener Rückversicherung – der riesengroße Leerstand an Büros in Berlin (mehr als eine Million Quadratmeter) keine Sorgen. Riesmeiers Botschaft: Wir sind besser als die anderen. „Dies ist ein Premium-Produkt.“

Deshalb werden in dem Neubau, den die Meag für 200 Millionen Euro nach Plänen des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner bis Ende 2008 erstellen wird, Premium-Mieten gezahlt werden müssen. Das gilt auch für die rund 12 000 Quadratmeter große Ladenfläche, die sich bis zu zehn Geschäfte teilen werden. „Ein Saturn oder Media- Markt kann sich das gar nicht leisten“, sagt Karl Franz Wambach, Geschäftsführer des Immobilienentwicklers Hines. Er wird für die Meag den Bau überwachen und Mieter suchen.

Erstmal hat er aber einem Mieter gekündigt – der Deutschen Interhotel. Sie betreibt das Hotel Unter den Linden, das jetzt abgerissen wird. Auch der beliebte Platz an der Straßenecke verschwindet und wird zugebaut. Die Bäume auf dem Platz werden in der kommenden Woche gefällt. Danach wird der Verlauf der Friedrichstraße verändert, die Fahrbahn schließlich auf zwei Spuren verengt. Meag und Hines brauchen jeden Meter Platz, um die Baustelle einzurichten.

Noch etwas steht dem schnellen Bauablauf im Weg, weniger real als terminlich – die Fußball-WM. Wenn das Hotel weg ist, wird der Bauplatz eingeebnet, so dass eine etwa 78 mal 78 Meter große freie Fläche entsteht, auf der, so der Wunsch des Senats, Veranstaltungen zur WM stattfinden. Interessenten gebe es schon viele, sagt Wambach, aber Verträge noch nicht. Ob es eine Großbild-Leinwand geben wird, soll mit den Ämtern abgestimmt werden, schließlich muss selbst bei starker Nachfrage von Fans die Kreuzung für den Verkehr frei bleiben.

Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) erinnert an den Streit zwischen Bauherren und Verwaltung um die Ausmaße und die Gestaltung des Neubaus, der nun aber nach langen Verhandlungen geklärt sei. „Intensive Gespräche“ nennt sie das. Mittes Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) ist weniger diplomatisch: „In den langen Diskussionen um die Architektur sind jetzt Wohnungen entstanden, die vermietbar sind.“ Statt drei engen gebe es einen großen Innenhof. Am liebsten hätte sie den Bau verkleinert: „Wir wollten den Platz erhalten.“

Den wird es nicht mehr geben. Meag- Geschäftsführer Riesmeier: „Wir haben ihn als Bauland gekauft, jetzt müssen wir Erträge erzielen.“

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