Berlin : Kein Recycling unter dieser Nummer Wohin mit den alten Telefonbüchern auf CDs?

Stefan Jacobs

Seit einigen Tagen gibt es die neuen Telefonbücher und die Gelben Seiten – selbstverständlich auch auf Compact Disc. Und fast ebenso selbstverständlich werden die alten Scheiben weggeworfen. Die Postler in der Filiale am Potsdamer Platz zuckten auch am Freitag noch mit den Schultern, wenn Kunden nach Recycling fragen. Und das, obwohl die für die Telefonbücher verantwortliche Telekom-Tochter DeTeMedien – auf Tagesspiegel-Recherchen hin – die Berliner Postfilialen anwies, die CDs zum Recycling zurückzunehmen. Doch das hat sich offenbar weder zu den Postschaltern noch zur Privatkunden-Hotline der Telekom herumgesprochen. Auch in der Pressestelle der Post hieß es spontan: „Die CDs sind so klein, die entsorgt jeder für sich.“ Etwa 16 Gramm wiegt eine CD. Macht bei einer Auflage von zweimal 500 000 Exemplaren allein in Berlin 16 Tonnen Müll.

Dabei ließe sich der Berg sogar zu Geld machen. Verwertungsunternehmen kratzen Aufkleber, Farbe und die hauchdünne Aluminiumschicht von den Silberlingen, so dass wertvolles Polycarbonat übrig bleibt. Aus dem wärmeresistenten Kunststoff lassen sich etwa Stecker und Lampengehäuse, ja sogar Schallschutzwände und transparente Dächer herstellen.

Beim fehlenden Recycling steht die Post nicht allein da. Auch die Frau beim Mitgliederservice des Internet-Providers und CD-Massenverteilers AOL hat „keine Ahnung“ von Entsorgungsmöglichkeiten und fügt hinzu, dass sie privat ihre CDs in die Gelbe Tonne werfe. Doch da gehören sie nicht hin. In der Pressestelle von AOL gibt es die Auskunft, dass die Leute ungefähr fünf Prozent der verteilten Silberscheiben zurückschickten. Das geht bei AOL immerhin portofrei: CD in die Hülle, Anschrift drauf und ab in den Briefkasten.

Thomas Klöckner, Sprecher der Berliner Stadtreinigung, verweist auf Sammelboxen auf jedem der 15 Recyclinghöfe in der Stadt. 680 Kilogramm alte CDs seien hier 2003 gesammelt und einer Recyclingfirma überlassen worden . Es gibt nur eine Hand voll solcher Unternehmen in Deutschland. In Berlin recycelt allein die Firma PAV in Marienfelde CDs. Die Anlage sei nicht ausgelastet, sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Brauer: „Weil keiner weiß, dass man CDs zurückgeben sollte. Und weil sich jeder drückt, solange er kann.“ Der Vorwurf geht vor allem an die Elektronikmärkte. Vergeblich wollte Brauer die Geschäfte für eine Sammelbox – ähnlich der längst vorgeschriebenen Batterie-Kiste – erwärmen. Eine Ausnahme ist die Computer-Fachmarktkette Vobis, die alte CDs in ihren Filialen zurücknimmt. Sonst bleibt bisher nur der Weg zum Recyclinghof.

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