Berlin : Kein Schiff wird kommen

Auf der Oder ruht schon seit Mitte Juni der Verkehr – und das wird auf absehbare Zeit so bleiben

Claus-Dieter Steyer

Eberswalde. Auf Oder und Elbe herrscht weiterhin Ebbe. Schon seit Mitte Juni ruht wegen der langen Trockenheit auf dem gesamten deutsch-polnischen Oderabschnitt zwischen der Neißemündung bei Ratzdorf und vor Stettin der gesamte Güterverkehr. „Wir sperren die Oder nicht“, sagt Rolf Dietrich, Chef des Wasserstraßen- und Schiffbauamtes Eberswalde. „Aber bei einer am Montag bei Frankfurt gemessenen Fahrrinnentiefe von nur 49 Zentimetern läuft kein Lastkahn aus.“ Erst bei einer Tiefe von mindestens 1,60 Meter lohnt sich ein Transport übers Wasser. Deshalb verkehren auf der Oder derzeit auch keine Fahrgastschiffe. Selbst kleine Yachten geraten bei diesem Niedrigwasser schon in Schwierigkeiten: Sie müssen langsam fahren und haarscharf auf Kurs bleiben.

Der Chef der Eberswalder Wasserstraßenbehörde macht den Kapitänen auch wenig Aussichten auf höhere Pegel auf der Oder. „Nach unseren Erfahrungen hilft nur ein vierwöchiger Landregen, ehe nach weiteren zwei Wochen an einen Lastenverkehr wieder zu denken wäre“, erklärt Rolf Dietrich.

Das Wehklagen der Binnenschiffer hält sich allerdings in Grenzen. Im nordöstlichen Brandenburg sind sie schon seit rund 70 Jahren nicht mehr auf die Wasserstände der Oder angewiesen. Denn die Strecke zwischen Berlin und Stettin besteht hauptsächlich aus dem Oder-Havel-Kanal mit dem Schiffshebewerk in Niederfinow und der parallel zum Grenzfluss verlaufenden Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße. Hier können die Pegel durch Schleusen reguliert werden, so dass die Beförderung von Sand, Kies und Kohle auch in Trockenzeiten ungehindert verläuft.

Auch auf der Elbe ruht der Schiffsverkehr weitgehend. In der Prignitz zeigte der Pegel am gestrigen Montag gerade einmal einen Meter Wassertiefe an. Die Transporte werden deshalb über Straße oder Schienen abgewickelt.

Trotz der Niedrigstände forderte der Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt, am Montag in Potsdam den Ausbau des Sacrow-Paretzer-Kanals als Teil des „Verkehrsprojektes 17“. Am 10. Oktober werde das große Wasserstraßenkreuz Magdeburg eröffnet, sagte der Leiter des Verbandes, Gerhard Ostwald. „Daher brauchen wir jetzt auch einen besseren Fahrweg nach Berlin.“ Das laufende Ausbauverfahren für den Kanal und die Havel war kürzlich gestoppt worden.

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