Berlin : Kein Schwein kommt mehr rein

Max Raabe gastiert mit seinem Palast-Orchester und einer neuen Revue im Schillertheater. Noch bevor es losging, waren alle Konzerte ausverkauft. Die Musiker suchen jetzt einen neuen Standort

Claudia Keller

Ein kleines Lächeln konnte sich Max Raabe dann doch nicht verkneifen. Er ist nicht der Typ, der groß jubelt, wenn das Publikum vor Begeisterung klatscht, johlt, stampft und pfeift wie am Mittwochabend im ausverkauften Schillertheater. Gewöhnlich nestelt er dann mit ernsthafter Miene ein wenig an seinen Manschetten. Aber dass die Leute nach zweieinhalb Stunden und mehreren Zugaben immer noch aus dem Häuschen sind, brachte auch ihn aus der Fassung. Auf der anschließenden Premierenfeier kam der Sänger gar nicht dazu, sich ein Häppchen in den Mund zu schieben, weil ihm ständig Fans, Freunde, Kollegen um den Hals fielen, so wie Inga Humpe, Tommy Eckart und Walter Momper.

Wer am Mittwoch im Schillertheater Max Raabes neue „Palast Revue“ erlebte, kann sich beglückwünschen. Das Programm ist zwar noch bis zum 28. Dezember in Berlin zu sehen, aber alle Abende sind schon ausverkauft. 24200 Berliner haben sich bereits ihre Karte reserviert. „Wir könnten noch monatelang problemlos die Konzerthalle füllen“, sagt Raabes Sprecherin. Die Ticket-Hotline sei permanent belegt.

Ab Januar ist das Schillertheater aber schon an eine andere Show vergeben, weshalb Raabe und sein Palast-Orchester jetzt mit anderen Häusern verhandeln. „Wir kommen garantiert nächstes Jahr mit der Revue nach Berlin zurück“, sagt Raabe. Aber noch wisse man nicht wann und wohin. Berlin liege ihm schließlich am Herzen. Er und seine zwölf Musiker wohnen hier, in Karlshorst haben sie die neue Show geprobt.

Was die Berliner in Scharen zu Max Raabe treibt, sind die Schlager aus den 20ern und 30ern wie „Kein Schwein ruft mich an“, „Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frrraun“ und die kühl-charmanten Moderationen des 40-Jährigen. Schattenspiele und Projektionen im Bühnenhintergrund umgeben die Nostalgie mit feinem Kitsch, etwa, wenn Raabe mit seiner ersten Geigerin zu „Ich tanze mit Dir in den Himmel“ in den Leinwandwolken verschwindet.

Später auf der Party erzählte Raabe, dass seine Liebe zur Vergangenheit bis in die paläontologische Abteilung des Berliner Naturkundemuseums reicht. Das marode Haus ist für ihn „das Museum par excellence“. Er will für die ausgestopften Tiere singen und Geld sammeln.

Raabe schaut aber auch in die Zukunft: „Klonen kann sich lohnen“, dichtet er, „was sonst im Bad vergammelt, hab ich brav gesammelt, alles ist schon da, die gesamte DNA. Verlässt du mich, klon’ ich dich. Ich hab dein Duplikat, du bleibst mir erspart.“

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