Berlin : „Kein Tag ohne Linie“ – die Stadt und ihre Künstler

Hella Kaiser

Bescheidenheit verkauft sich schlecht. Und so prangt auf dem Buchcover der Titel „Berlin und seine Künstler“, obwohl sich Autor Matthias Pabsch gerade mal elf Persönlichkeiten herausgepickt hat. Kriterium für die Auswahl des Kunsthistorikers ist „eine überregionale Bedeutung des jeweiligen Werkes“. Dazu passend hat etwa Carl Gotthard Langhans, der Erbauer des Brandenburger Tores, einen Platz im Buch gefunden. Das Tor war ein eigener Entwurf des Architekten, doch unverkennbar inspiriert von den Propyläen der Akropolis in Athen. Überhaupt habe Langhans auf Reisen seine Mappen gefüllt, schrieb Johann Gottfried Schadow später und bemerkte süffisant: „Er entlehnte gern.“

Während Langhans seltsam blass bleibt, bekommt Adolph Menzel mehr Konturen. Als er 15 ist, zieht die Familie von Breslau nach Berlin, und schnell macht der Autodidakt Karriere. „Kein Tag ohne Linie“, ist sein Motto und unermüdlich skizziert, zeichnet und malt er. Mitte der 1850er Jahre etwa entsteht sein „Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci“. Wer es heute in der Alten Nationalgalerie betrachtet, ist beeindruckt. Menzel aber mäkelte später daran herum: „Der König steht da wie ein Kommis, der sonntags Muttern was vorflötet.“ So flott sich Menzels O-Töne lesen, so hölzern wirkt daneben die Sprache von Matthias Pabsch. „Sein Körper hat bei einer Länge von 140 Zentimetern das Wachstum eingestellt“, bemerkt er zur kurz geratenen Gestalt des Malers.

Hermann Henselmann, der Architekt der DDR, baute zu Beginn der 30er Jahre sein erstes Haus in Kleinmachnow. Ob es heute noch zu sehen ist? Der Autor verschweigt es. Dafür teilt er mit: „Bei der Geburt des ersten Kindes weint Henselmann vor Ergriffenheit.“ Manchen hätte eher seine Freundschaft zum West-Berliner Architekten Egon Eiermann interessiert, die nicht erwähnt wird.

— Dorothee Hackenberg: Kreuzberg. Keine Atempause. Berlin-Edition. 127 Seiten, 9,80 Euro.

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