Berlin : Kein Tütenknistern stört den Abend

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Geschichten hört jeder gern. Vor allem, wenn sie unterm Sternenhimmel vorgelesen werden. Aber was ist, wenn es einmal regnet, man die Sterne nicht sieht und ohnehin keiner mehr Zeit hat, anderen vorzulesen? Man nimmt sich ein Planetarium und eine Surround-Anlage, auf der man dann Hörspiele vorführen kann.

Das war die Idee von Lutz Oehmichen vom ORB. Vor sieben Jahren entstand so das „Hörspielkino unterm Sternenhimmel“ von ORB, SFB, DeutschlandRadio und dem Hörverlag. Hörspiele wie „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams, „das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco oder „der kleine Hobbit“ von J.R.R. Tolkien füllen seitdem regelmäßig die Reihen in dem 300-Sitze großen Saal des Planetariums am Insulaner. 2500 Berliner haben das Hörspielkino allein im März besucht, zusammen 65000 seit 1995. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass es in Berlin circa 2500 Freizeitangebote pro Tag gibt.

„Es hat sich eine richtige Hörspiel-Szene entwickelt. Viele Gesichter sieht man immer wieder“, sagt Alina Faltermayr, die für Radio Eins vom ORB die Vorführungen betreut. Die Karten für Höhepunkte wie „Per Anhalter durch die Galaxis“ sind lange vor den Vorstellungen ausverkauft. Aber was bringt einen dazu, sich sonnabends um 20 Uhr anstatt in ein schickes Restaurant und später in eine Cocktail-Lounge, in ein Planetarium zu setzen, wo es nichts anderes gibt, als Sterne und eine Geschichte?

Es ist die besondere Atmosphäre: Das Licht geht aus, und die Sterne fangen an zu leuchten. Eine Stimme nimmt den Besucher in Empfang, man lehnt sich entspannt zurück in die bequemen Sessel. „Wir hatten schon Daniela Hoffmann, die deutsche Stimme von Julia Roberts, als ,invisible woman’. Diesmal ist es Thomas Dannenber (der John Cleese von Monty Pythons Flying Circus die Stimme gibt)“, sagt Alina Faltermayr. Der Sternenhimmel beginnt sich zu bewegen und wie aus den Wolken kommend beginnt das Hörspiel.

Kein Geräusch stört, nicht mal das in Kinos übliche Rascheln der Chips-Tüten. Durch die Dunkelheit verlässt man sich wie selbstverständlich auf seine Ohren. Mit der Zeit erkennt man Gesichter zu den Stimmen, die man hört, und die Fantasie zeichnet ganze Landschaften in den Sternenhimmel. Zugegeben, manchmal hilft Herr Fröhlich, der Vorführer mit, indem er eines der über 80 Panoramen des Planetariums in die Kuppel projiziert. Ehrenamtlich betreut er die Technik „mit Liebe zum Job und viel Routine“, sagt er. Immerhin sind das die am besten besuchten Vorstellungen des Hauses. „Im Vordergrund stehen aber immer die Stimmen, deswegen ist es auch immer Nacht. Wir könnten zwar auch Tage nachstellen“, aber dann konzentriert man sich wohl eher auf die hübsche Nachbarin, als auf die Stimmen.

Dann ist das letzte Wort gesprochen, die Sterne werden dunkel. Nach 90 Minuten taucht man aus einer anderen Welt wieder auf, wenn die Türen zum Kuppelsaal wieder geöffnet werden. Schaut man danach auf dem Heimweg in den echten Nachthimmel, weiß man einfach, dass er mit Geschichten schöner aussieht. Ab heute findet das „Hörspielkino unterm Sternenhimmel“ jeweils freitags und sonnabends um 20 Uhr im Zeiss-Großplanetarium statt und wer am 11. Mai das „Foucaultsche Pendel“ erleben will, sollte schon mal jetzt Karten reservieren. Sebastian Drews

Das komplette Programm gibt es im Netz: www.radioeins.de , oder unter der Telefonnummer 4218 4512. Die Karten kosten 6,50 oder ermäßigt 4,50 Euro.

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