Berlin : Kein Walpurgisfeuer im Mauerpark

Polizei verbietet das Ritual in Prenzlauer Berg , um die Gewaltbereitschaft am Vorabend des 1. Mai einzudämmen. An Schulen begann die Präventionsarbeit

Jörn Hasselmann

In diesem Jahr verbietet die Polizei nicht nur Flaschen und Dosen im Mauerpark, sondern erstmals auch das traditionelle Walpurgisfeuer am Vorabend des 1. Mai. Nach den guten Erfahrungen im Vorjahr mit dem Flaschenverbot greift die Polizei damit noch rigoroser durch. Im letzten Jahr hatte das Bezirksamt Pankow noch ein zentrales Feuer im Park veranstaltet, dieses Jahr wird es nur ein kleines Feuerwerk aus dem benachbarten Jahnstadion geben. 2004 hatte die Polizei erstmals den Chaoten mit dem Flaschenverbot den Spaß verdorben – und die Gewalt damit deutlich eingedämmt. Nach der Wende waren die Krawalle im Mauerpark zur Tradition geworden, quasi als Auftakt zu den berüchtigten Kreuzberger Krawallen am Tag darauf. Noch im Jahr 2003 hatte es gegen Mitternacht in der Eberswalder Straße und im Mauerpark einen Stein- und Flaschenhagel auf Polizisten und Unbeteiligte gegeben.

„2004 gab es weniger Schäden und mehr Festnahmen“, sagte Direktionsleiter Klaus Keese, der auch in diesem Jahr den Einsatz von mehreren hundert Polizisten leiten wird. 2003 waren 88 Menschen festgenommen worden, 2004 waren es 101. Anwohner bestätigten im vergangenen Jahr, dass der Park durch das Flaschenverbot wesentlich sauberer hinterlassen worden sei.

Auch in diesem Jahr gilt am 30. April ab 14 Uhr wieder ein absolutes Halteverbot in weitem Umkreis um den Mauerpark und das Jahnstadion, die Straßen sollen frei bleiben und eventuelle Schäden vermieden werden. Sollte es im Park in der Walpurgisnacht zu Auseinandersetzungen kommen, wird im Jahnstadion das Flutlicht eingeschaltet, auch auf der anderen Parkseite installiert die Polizei Flutlichtmasten.

An allen elf Eingängen zum Park gibt es Kontrollstellen, Bier und Wein müssen dort in Plastikbecher umgefüllt werden.

Gestern startete die Polizei auch das Präventionsprogramm für Oberschüler. Klassenweise sollen die 14- bis 18-Jährigen beim Thema Gewalt sensibilisiert werden – unter anderem können sie sich in einen Mannschaftswagen der Polizei setzen, auf den dann ein (simulierter) Steinhagel niedergeht. Zudem werden Videos aus den Vorjahren gezeigt. Noch gibt es einige freie Plätze für Schulklassen, Anmeldung unter 4664 115 060.

Auf dem Boxhagener Platz ist von Angehörigen der Hausbesetzer-Szene eine Demonstration in der Walpurgisnacht angemeldet worden. Sie steht unter dem Motto „Gegen Yuppiesierung und Umstrukturierung“, zwischen 15 und 23 Uhr wollen sich dort 500 Personen versammeln. Ein Feuer ist auch nicht erlaubt. „Auch dort gilt unser Konzept der ausgestreckten Hand“, sagte ein leitender Beamter. Krawall würde aber auch am Boxhagener Platz sofort erstickt.

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