Berlin : Kein Zaster für Zille

Das Museum für den Berliner Maler schließt, weil es an Geld mangelt – und an Sponsoren

Lothar Heinke

Heinrich Zille und seine Bilder – das ist ein Stück Berlin. Im Nikolaiviertel hat „Pinselheinrich“ sein Museum. Ganz in der Nähe von einem alten Lokal, in dem er einst seine Modelle fand und über das Claire Waldoff sang: „Im Nussbaum links vom Molkenmarcht / Da hab ick manche Nacht verschnarcht / Da malt der Vater Zille! / Die Jäste, die sind knille!“ Gäste des Zille-Museums Propststraße 11 im Schatten der Nikolaikirche sind heute Reisegruppen und Touristen. Sie sehen Bilder, Grafiken, Fotografien und die Original-Staffelei samt Hocker vom ollen Vater Zille. Und erfahren, wie der Künstler versuchte, das Gewissen einer gleichgültigen Gesellschaft aufzurütteln – als Anwalt der Entrechteten, der noch im Elend zu lächeln vermochte.

Am 10. Januar 2008 wird der 150. Geburtstag des Künstlers gefeiert. Doch ausgerechnet jetzt kommt die Nachricht, dass das Berliner Heinrich-Zille-Museum aus Geldmangel schließen muss. „Ja, am 17. Dezember ist unser letzter Tag“, sagt Heinjörg Preetz-Zille, der Urenkel und Vorsitzende der Heinrich-Zille-Gesellschaft Berlin e. V. „Wir haben keine Sponsoren mehr. Wenn wir heute nicht die Notbremse ziehen, wären wir im nächsten Jahr insolvent.“ Von den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die den Betrieb des täglich von 11 bis 19 Uhr geöffneten Museums aufrechterhielten, wurden etliche krank, und die einzige Angestellte konnte die Arbeit nicht mehr allein bewältigen. Man war gezwungen, zwei Mitarbeiter einzustellen – mit einem Ein-Euro-Job ist es hier zwischen den wertvollen Stücken von zahlreichen privaten Leihgebern nicht getan. Nun fehlen jährlich etwa 50 000 Euro für das Personal, die Einnahmen (Eintritt für Erwachsene: 3 Euro) reichen gerade für die fixen Kosten. „Entweder, wir finden Sponsoren, die uns unterstützen, oder wir sind genötigt zuzumachen, um die drei Räume am 31. Dezember der WBM zu übergeben“, sagt Zilles Urenkel, dessen Gesellschaft nicht in der Lage ist, den Betrieb allein aufrechtzuerhalten, zumal 30 von 90 Mitgliedern außerhalb Berlins wohnen – Heinjörg Preetz-Zille beispielsweise in Bremervörde. Der Nachfahre des Künstlers ist enttäuscht, wie wenig Anteil die Stadt an „ihrem“ Vater Zille nimmt: Zur Eröffnung des Museums vor vier Jahren hatte man noch ins Rote Rathaus geladen, aber „seitdem hat sich niemand mehr blicken lassen“, sagt Zilles Urenkel. Sein Brief vom Sommer 2006, in dem er dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit vorsorglich mitteilte, dass sich das Museum in akuter Existenznot befindet, blieb bisher unbeantwortet – „Stellen Sie sich mal vor, was in München los wäre, wenn dort das Karl-Valentin-Museum dichtmachen müsste.“

Ehrenbürger Heinrich Zille hatte es hier nie leicht. „Für das Echte, das wirkliche Berlinische, hat die Stadt wenig oder gar keinen Sinn. Ist es zu glauben, dass sie für diesen Mann, der die reinste Inkarnation Berlins verkörpert, nichts, aber auch gar nicht das leiseste tut?“, fragte Kurt Tucholsky. Vor 75 Jahren.

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