Berlin : Keine 08/15-Therapie

Die Parkklinik Weißensee bringt ihre Ärzte mit „Behandlungsleitlinien“ auf den Stand der Wissenschaft

Ingo Bach

Erhöhter Cholesterinwert im Blut? Eine klare Sache für den Arzt: Der Wert muss runter. Doch ob der Kranke die Cholesterin senkenden Pillen wirklich braucht, spielt oft eine untergeordnete Rolle. Dabei ist eine medikamentöse Therapie verzichtbar, wenn es keine weiteren Risikofaktoren gibt, wie zum Beispiel Übergewicht. Es scheint eine Binsenweisheit zu sein: Besser als die vermeintlich allgemeingültige Standardbehandlung ist die individuell auf den Kranken und sein Risiko zugeschnittene Therapie. Doch oft genug orientieren sich bisher die Therapieentscheidungen an veralteten Erkenntnissen, an den eigenen Erfahrungen des Arztes oder an der „Schule“, der ein Mediziner anhängt.

Das zu ändern, ist das Ziel der „evidenzbasierten Medizin“, die die Parkklinik Weißensee jetzt – nach eigenen Angaben – als erstes deutsches Krankenhaus in den Klinikalltag eingeführt hat. „Nicht mehr nur die Erfahrungen des Chefarztes spielen bei der Behandlung eine Rolle, sondern auch die neuesten Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Studien“, sagt Joachim Baumgarten, Geschäftsführer der Parkklinik. Ständig durchforsten Klinikmitarbeiter Berge von Fachliteratur auf der Suche nach wirksamen Therapien. Diese stellen sie dann als Behandlungsleitfäden im klinikeigenen Intranet allen Ärzten der Parkklinik zur Verfügung. Das ist auch dringend notwendig. Denn jeden Monat schlägt eine Flut von Studien und Therapieempfehlungen über den Ärzten zusammen. „Durch diesen Dschungel steigt ein Doktor oft nicht mehr durch“, sagt Günther Jonitz, Präsident der Berliner Ärztekammer. „Die Leitlinien sind für den Arzt Machete und Kompass zugleich.“ Nicht die maximale Therapie sei das Ziel, sondern die optimale Therapie. „Kranke werden dadurch besser behandelt.“

Das gelte auch für die Zusammenarbeit zwischen Klinik und den weiterbehandelnden niedergelassenen Ärzten, sagt Parkklinik-Chef Baumgarten. In seinem Bericht an den einweisenden Kollegen begründet der Krankenhausarzt, aufgrund welcher Studie er sich für seine Therapie entschieden hat. Damit erleichtert er dem Kollegen die Fortsetzung der Behandlung. Auch das sei bisher nicht selbstverständlich.

Gesundheitsstaatssekretär Hermann Schulte-Sasse wünscht sich die mit 350 Betten eher mittelgroße Parkklinik als Vorbild für die anderen Berliner Krankenhäuser. „Das ist eine gute Sache.“

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