Berlin : Keine Angst vor Argentinien

Zur 12. Fête de la Musique könnte es morgen noch voller werden als sonst – wegen bekannter Musiker wie Dr. Motte und El*ke. Und wegen der WM

Sebastian leber

Peter Bolmer hat eine Mission. Der Sänger der Berliner Rockband El*ke will morgen auf der Museumsinsel ein „1A-Konzert“ hinlegen. Und damit die Schmach vom letzten Auftritt in der Heimatstadt vergessen machen. „Da sind uns mehrfach Saiten gerissen, und zur Krönung gab der Verstärker den Geist auf.“ Das kann eine echte Rockband nicht auf sich sitzen lassen, findet Bolmer: „Morgen ist Rückspiel.“

Der Auftritt von El*ke vor der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel ist einer der Höhepunkte der 12. Berliner Ausgabe der Fête de la Musique, des kostenlosen Drinnen- und Draußenfestivals in der ganzen Stadt. Auf 47 Freiluft-Bühnen und in 14 Clubs treten diesmal 370 Bands, Solokünstler und DJs auf, darunter auch bekanntere Namen wie DJ Lexy, Das Bo oder Beatsteaks-Sänger Arnim Teutoburg-Weiß. Obwohl keiner der Musiker eine Gage erhält, bekommt Veranstalterin Simone Hofmann jedes Jahr mehr Bewerbungen zugeschickt. Diesmal musste sie bereits drei von vier auftrittswilligen Bands absagen. „Das tut mir einerseits leid, andererseits kann man sich als Veranstalter gar nichts Schöneres vorstellen.“ Außerdem haben auch alle Abgelehnten am Mittwoch die Chance, sich Gehör zu verschaffen. Denn zum Festival gehört dazu, dass nicht nur auf den offiziellen Bühnen, sondern überall in der Stadt musiziert wird. So jedenfalls ist das Konzept seit 1982, als der damalige französische Kulturminister die Idee eines weltweiten Musikfestivals hatte. Seither findet es jedes Jahr am 21. Juni statt – dem Tag der Sommersonnenwende. Wer morgen keinen Platz auf einer Bühne gefunden hat, kann sich von der Internetseite des Veranstalters eine Ausnahmegenehmigung herunterladen und sich damit auf die Straße stellen. Simone Hofmann rechnet damit, dass hunderte Berliner davon Gebrauch machen. Und dass mindestens 100 000 Zuhörer zu den angekündigten Konzerten kommen. Natürlich könne man nicht vorhersagen, wie sich die Fußball-WM auf das Festival auswirke, sagt Hofmann. „Aber eher werden wir davon profitieren, wegen der Auswärtigen in der Stadt.“ Vor den vier Spielen, die nachmittags und abends ausgetragen werden, haben die Veranstalter keine Angst: „Noch nicht mal vor dem Knaller-Spiel Argentinien gegen die Niederlande. Notfalls stoßen manche Fußballfans eben später dazu.“ Auf großen Andrang hofft auch Matthias Roeingh alias Dr. Motte. Da sich der Loveparade-Erfinder mit den neuen Organisatoren des Umzugs überworfen hat, wird die Fête de la Musique dieses Jahr das einzige Berliner Großereignis mit seiner Beteiligung bleiben. Im „Silberstein“ in der Oranienburger Straße präsentiert Dr. Motte seine Klanginstallation „Der universelle Akkord. Dreiklang der Gestirne“. Zu hören gibt es wechselnde Töne – „einer für die Erde, einer für die Sonne, einer für den Mond“ – und dazu passende Farben. Die Botschaft ist ganz im Sinn seiner legendären Loveparade-Ansprachen: „Wer zu sich selbst findet, erhält Frieden.“

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