Berlin : Keine Angst vor dem Landen (Kommentar)

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Auf den ersten Blick scheint es gewagt zu sein: etwa 50 Millionen Mark in eine Anlage zu stecken, die in sieben Jahren geschlossen werden soll. Beim zweiten Blick ist die Ausgabe aber nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig. Die Berliner Flughafengesellschaft will die Abfertigungskapazitäten in Tegel erweitern und den Flughafen insgesamt modernisieren, obwohl er im Jahr 2007 durch die neue Anlage in Schönefeld ersetzt werden soll. Verschämt nennen die Planer die Erweiterung "Kapazitätsausschöpfung". Von Erweiterung wollen sie nicht reden, weil sie befürchten, dass ihnen dann gleich wieder der Gegenwind ins Gesicht bläst. Die Handwerker können nämlich nur anrücken, wenn eine Baugenehmigung erteilt ist. Und den Antrag kann die Flughafengesellschaft erst stellen, wenn der Aufsichtsrat zugestimmt hat. Dass Tegel aus allen Nähten platzt, sieht fast jeder Fluggast. Hier muss sich etwas bewegen, wenn Berlin seine Gäste nicht weiter wie auf einem Provinzflughafen empfangen will. Selbst wenn es gelingen sollte, einen Teil des Verkehrs schon vor dem Neubau nach Schönefeld zu verlagern, profitiert Tegel von dem Ausbau, weil es dann nicht mehr so eng sein wird. Gäbe es nur Tegel, könnte der Ausbau sogar aus einem Jahresgewinn finanziert werden. Auch in Brandenburg sollte man vor einer "Kapazitätsausschöpfung" in Tegel keine Angst haben. Wenn Tegel jetzt floriert, profitiert davon auch später der neue Flughafen in Schönefeld. Das Geld ist gut angelegt.

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