Berlin : Keine Angst vor Konkurrenz

Der Bau-Boom bei den Einkaufszentren: Für mutige Investoren bleibt Berlin trotz aller wirtschaftlichen Probleme ein spannender Standort

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Noch in diesem Monat will das nächste große Einkaufszentrum in Berlin seine Kunden empfangen: Am 23. Oktober eröffnet der Bauherr Bavaria Objekt und Baubetreuung am S-Bahnhof Schöneweide in Treptow das „Zentrum Schöneweide“ mit mehr als 50 Geschäften auf 20000 Quadratmetern Verkaufsfläche, wie Center-Manager Stefan Kollar am Montag ankündigte. Zu den Mietern gehören Kaufland, Media Markt, C & A, Deichmann, Reno und Rossmann. Außerdem gibt es ein Ärztehaus.

Kollar fürchtet die Konkurrenz der anderen Berliner Center nicht: „Es kommt ganz auf den Standort an. In unserer Umgebung ist ja nichts.“ Dagegen seien Lagen wie die Landsberger Allee inzwischen „ausgereizt“. Als wichtigste Wettbewerber des neuen Zentrums Schöneweide nennt er das Park-Center in Treptow, das Forum Köpenick und die Neuköllner Gropius-Passagen.

Für den größten Centerbetreiber der Stadt, die Hamburger Firma ECE Projektmanagement, ist Berlin „immer noch ein spannender Standort“. Auch Firmensprecher Robert Heinemann meint allerdings, man müsse jede Lage genau prüfen. Derzeit plant das Unternehmen das „Eastgate“-Center in Marzahn mit 32000 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Unter den Zentren „gibt es immer Auf- und Absteiger, und ein neues Center hat es leichter“, hieß es von der Münchner Fondsbeteiligungsgesellschaft H.F.S., die in Berlin unter anderem die Gropius-Passagen betreibt. Jetzt plant man auch die „Schloss-Galerie“ an der Schloßstraße/Ecke Grunewaldstraße in Steglitz. Außerdem wurden Kaufgespräche um das Baudenkmal Haus Cumberland am Kurfürstendamm geführt (wir berichteten). Dazu wollte der Prokurist und Leiter der Projektentwicklung in Berlin, Harald-Gerome Huth, gestern aber nichts sagen. Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Klaus- Dieter Gröhler (CDU) sieht die Idee für eine dreistöckige Einkaufspassage und Wohnungen in den oberen Etagen des 91 Jahre alten Gebäudes mit gemischten Gefühlen. Gegebenenfalls müsste durch ein Gutachten geklärt werden, ob der Handel verträglich für Geschäfte am Kurfürstendamm, an der Tauentzienstraße und an der Wilmersdorfer Straße sei. Der Stadtrat will „kurzfristig“ Kontakt mit der Oberfinanzdirektion aufnehmen, die im Auftrag des Bundes und des Landes Berlin seit langem einen Käufer sucht.

Für den Einzelhandelsverband ist es kein Widerspruch, dass Investoren bauen und bestehende Center modernisieren, obwohl der Jahresumsatz der Berliner Händler laut Wirtschaftsverwaltung zwischen 1991 und 2002 von 19,2 auf 14,9 Milliarden Euro sank. Es gehe darum, anderen Centern und Läden „Kunden wegzunehmen“, so Sprecher Jan Holzweißig. Nach seiner Zählung gibt es bisher 27 Center, die je mindestens 10000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben. Eine Liste der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin, die auch kleinere Center berücksichtigt, verzeichnet mehr als 60 Standorte. CD

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