Keine Entspannung : Mieten in Berlin steigen deutlich

Die Mieten in Berlin sind im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent gestiegen und damit schneller als die Verbraucherpreise. Besonders bei Neuvermietungen erhöhen die Vermieter die Preise kräftig. Entspannung ist nicht in Sicht.

Ralf Schönball,Stefan Jacobs

In Charlottenburg-Wilmersdorf mussten bis zu 11,54 Euro je Quadratmeter für neue Wohnungen bezahlt werden. Besonders bei Neuvermietungen erhöhen die Vermieter in Berlin die Preise kräftig: Diese liegen um bis zu 14 Prozent über den vergleichbaren Durchschnittsmieten. Auch in Potsdam ziehen die Preise an, maximal wurden für neue Wohnungen 7,28 Euro je Quadratmeter verlangt. Das hat der Verband Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU) bei der Auswertung von knapp 500 000 Mietverträgen festgestellt.

Etwa 85 Prozent aller Berliner wohnen zur Miete. Eine Entspannung des Marktes ist nach Expertenangaben auch in Zukunft nicht in Sicht. Weil kaum neue Wohnungen gebaut werden, rechnet der Verband schon im Jahr 2014 mit einem starken Mangel an ganz kleinen Wohnungen mit einem Zimmer sowie an größeren Wohnungen mit mehr als vier Räumen. Damit drohen großen Teilen der Berliner Bevölkerung steigende Mieten. Denn mehr als 80 Prozent aller Haushalte werden im Jahr 2014 aus nur einer oder maximal zwei Personen bestehen.

Maren Kern, Vorstandsmitglied des Wohnungsverbandes, sagte: „Zur Realität einer Großstadt wie Berlin gehört es auch, dass sich nicht jeder eine sanierte Altbauwohnung in Charlottenburg leisten kann.“ Gemessen an der Kaufkraft sei die Mietbelastung je Haushalt in Berlin vergleichsweise gering. Die Bewohner von München geben beispielsweise 17,6 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen aus, die Berliner 12,3 Prozent. Von einem „Standortvorteil Berlins“ sprach die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Die Stadt biete „gutes und angemessenes Wohnen zu bezahlbaren Preisen“.

Als „Realitätsverkennung“ bezeichnete dagegen der Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins, Hartmann Vetter, die Äußerung des Verbandes. Bei Neuvermietungen würden deutlich höhere Preise verlangt als die Durchschnittswerte laut Mietspiegel. Vetter sprach sich für eine gesetzliche Beschränkung der Preise bei Neuvermietungen aus.

Für die rot-rote Koalition in Berlin wird die Miet- und Wohnungspolitik „eines der herausragenden Themen für diese Legislaturperiode“, sagte Linksfraktionschef Udo Wolf dem Tagesspiegel. Die Stadtentwicklungsverwaltung erarbeite ein Konzept, um den sozialen Zusammenhalt der Stadt zu sichern. Am Donnerstag wollen SPD und Linke vier Anträge ins Abgeordnetenhaus einbringen, um die Mieterrechte zu stärken. In einem der Anträge soll der Senat aufgefordert werden, im Bundesrat „gegen jede Aufweichung der berechtigten Schutzinteressen“ von Mietern zu stimmen. Dieser Antrag zielt auf die von der schwarz-gelben Bundesregierung geplante Verkürzung der Kündigungsfrist für Vermieter. Nach Auskunft von Wolf hofft Berlin dabei auf die Hilfe der Länder mit roter oder grüner Regierungsbeteiligung. Auch Renate Künast, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, sagte: „Wir werden nicht zusehen, wie die FDP bewährte Mieterrechte abbaut und den sozialen Frieden gefährdet.“

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