Berlin : Keine Entwarnung bei Aids

Jede Woche sterben zwei Berliner an der Krankheit

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Am 1. Dezember wird man sie wiedersehen: die roten Schleifen. Viele Menschen tragen sie am Welt-Aids-Tag als Zeichen der Solidarität mit HIV-Erkrankten. Anlässlich dieses Termins präsentierte die Berliner-Aids-Hilfe gestern aktuelle Zahlen. Laut Studie des Robert-Koch-Instituts lebten Ende 2005 rund 49 000 Menschen in der Bundesrepublik mit dem Virus, etwa 7100 davon in Berlin. Prozentual zur Einwohnerzahl liegt die Hauptstadt damit deutlich über dem Durchschnitt.

Die Zahl der Neuinfektionen betrug im selben Jahr deutschlandweit etwa 2600, in Berlin rund 450. Für das Jahr 2006 erwartet Kai-Uwe Merkenich von der Berliner-Aids-Hilfe ähnliche Zahlen . „Die Entwicklung ist besorgniserregend. Die Zahl der Neuinfizierten ist 2006 so hoch wie seit 15 Jahren nicht“, sagte er. Dafür machte Merkenich wachsende Sorglosigkeit verantwortlich, die er auf Unterschätzung der Gefahr und Überschätzung der Therapiemaßnahmen zurückführte. „Aids ist nach wie vor nicht heilbar. Mit einem wirksamen Impfstoff ist in den nächsten Jahren nicht zu rechnen“, warnte er. Allein in Berlin sterben jede Woche zwei Menschen an der Immunschwächekrankheit.

Besorgt zeigte er sich auch darüber, dass das Wissen der 14- bis 17-Jährigen über Aids heute geringer ist als vor zehn Jahren. In Berlin wird die Präventionsarbeit zusätzlich dadurch erschwert, dass immer weniger Geld vom Land zur Verfügung gestellt wird. Von sieben Berliner Aids-Beratungsstellen, die es in den 90er Jahren gab, arbeiten heute nur noch vier. Der im Bezirk Tempelhof-Schöneberg droht gerade die Schließung. Für Merkenich ein Problem, weil gerade in diesem Bezirk eine Vielzahl homosexueller Männern lebt – die größte HIV-Risikogruppe. Merkenich warnte aber davor, Aids als Problem einer Minderheit zu betrachten. Erstmals lag die Ansteckung mit dem HI-Virus durch heterosexuellen Verkehr auf Platz zwei der Infektionsstatistik. Weltweit waren Ende 2005 rund 38,6 Millionen Menschen HIV-positiv. mho

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