Berlin : Keine Gnade für den Gegner aus Sachsen

Für den Preußenherrscher war er ein Erzfeind: der kunstsinnige Heinrich Graf von Brühl.

Hülle statt Fülle. Von Schloss Brody steht nur noch die Ruine. Foto: Claus-Dieter Steyer
Hülle statt Fülle. Von Schloss Brody steht nur noch die Ruine. Foto: Claus-Dieter Steyer

Friedrich II. konnte richtig sauer werden. „1500 Perücken und keinen Kopf“, lautete etwa sein Urteil über den sächsischen Premierminister Heinrich Graf von Brühl. Und er beließ es nicht bei Worten. Aus Hass auf den zu den reichsten Männern Sachsens gehörenden Kunstliebhaber, der unter anderem die glanzvollen königlichen Kunstsammlungen, die Dresdner Oper und die Meißner Porzellanmanufaktur verantwortete, machte Friedrich Jagd auf die Brühl’schen Besitzungen. Im Siebenjährigen Krieg befahl er die Plünderung und Zerstörung der Brühl’schen Schlösser. Zu ihnen gehörte das hinter der Neiße-Stadt Forst gelegene Pförten, das seit Kriegsende 1945 den polnischen Namen Brody trägt.

1758 nahmen Friedrichs Truppen die barocke Residenzstadt ein. Der König gab umgehend den Befehl, das ganze Schloss anzuzünden. Heutige Besucher der Anlage könnten vermuten, dass sich seit dem Zerstörungsakt nichts mehr am Bauwerk verändert hat. Schließlich stehen die Ausflügler vor einer Ruine, die man lieber nicht betreten sollte. Doch diese Schäden stammen tatsächlich erst vom Ende des Zweiten Weltkriegs, als das im vergangenen Jahrhundert wiederaufgebaute Gebäude ein zweites Mal ausbrannte.

Die restaurierten Kavalierhäuser, die heute ein Restaurant und ein Hotel beherbergen, bieten ein ganz anderes Bild. In einem der Flügel wird am 12. August eine erste Dauerausstellung über die bewegte Geschichte des Ortes eröffnet. Während dort lokale Bezugspunkte im Mittelpunkt stehen, widmet sich zwei Wochen später die Schau „Friedrich der Große und Graf Brühl“ im Marstall des Parks Branitz in Cottbus den Hintergründen dieser Feindschaft. Offensichtlich hatten den machthungrigen Preußen vor allem die vielen erfolgreichen diplomatischen Erfolge des Sachsen geärgert.

Obwohl der Branitzer Park erst mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Tod Friedrichs II. seine heute noch zu bewundernde Pracht entfaltete, passt die Ausstellung gut an diesen Ort. Pückler veränderte genau wie der König ganze Landstriche. Allerdings: Auf die Idee, eine Pyramide als letzte Ruhestätte in den Park zu setzen, konnte nur der umtriebige Fürst kommen. Ste.

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