Berlin : Keine Gnade für Stubenhocker

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Von Björn Seeling

Für Stubenhocker gibt es keine Entschuldigung mehr: Die kommenden Wochen sind vollgestopft mit Veranstaltungen. Also raus aus der dumpfen Stube und rein ins Vergnügen. Ob Museumsfestival, Konzert oder Volksfest – für fast jede Interessenslage ist etwas dabei. Mit der heutigen Sonderseite ruft der Tagesspiegel den Veranstaltungssommer aus – auch wenn es im Kachelmannschen Sinne noch Frühling ist.

Los geht es schon am kommenden Wochenende, denn zu Pfingsten trifft sich alle Welt in Kreuzberg, um den Karneval der Kulturen zu feiern (wir berichteten). Höhepunkt ist dabei der Umzug am Sonntag, aber schon von Freitag an gibt es das Volksfest auf dem Blücherplatz. Ende ist dann am Pfingstmontag.

Der Karneval der Kulturen läutet quasi den Paradensommer ein. Schon am 22. Juni färben sich die Straßen wieder bunt - regenbogenbunt. Der Christopher Street Day, der Umzug der Homosexuellen-Bewegung, zieht durch die Innenstadt. Rings um das Datum brechen in den Clubs heiße Tanznächte herein – die Stadt tanzt, egal ob Männlein oder Weiblein. Eigentlich eine Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben, gibt der CSD einen Vorgeschmack auf die Love Parade, die am 13. Juli durch den Tiergarten stampft. Das Motto lautet diesmal „Access Peace“. Und Frieden kann ja jeder gebrauchen, so dass wohl auch dieses Jahr wieder hunterttausende Jungmenschen von Marzahn bis München in den Tiergarten strömen, um zu Techno-Musik über den 17. Juni zu hüpfen. Ein Hinweis zur Kleiderordnung: Sonnenblumen sind auch 2002 schon seit Jahren out.

Wer sich unbedingt als Blumenkind oder Pflanzenfreund präsentieren will, der soll doch lieber zur Hanfparade gehen. Die ist am 31. August.

Aber in den nächsten Wochen ist nicht nur nur Gelegenheit, für Love and Peace zu demonstrieren. Man kann auch ganz gemütlich im Liegestuhl liegen, Kinofilme schauen oder Chansons lauschen. Beim Museumsfestival, das bis September läuft, ist die Möglichkeit zu beidem gegeben. So singt der Schauspieler Dominique Horowitz die besten Lieder aus der „Dreigroschenoper“ und „Amèlie“ zeigt ihre wunderbare Welt. Veranstaltungen gibt es dieses Jahr nicht nur auf der Museumsinsel in Mitte, sondern auch im Kulturforum in Tiergarten nahe dem Potsdamer Platz.

Stichwort Museum: Wenn’s regnet, bleibt noch bis 1. Juni Zeit, durch die Ausstellung „Griechische Klassik“ im Martin-Gropius-Bau spazieren. Berliner Klassik ist hingegen schon die Lange Nacht der Museen, zu der am 31. August wohl wieder halb Berlin unterwegs sein wird. Und sich freiwillig in überfüllten Bussen drängelt.

Für Kulturbeflissene wäre der Gendarmenmarkt auch in diesem Sommer eine Adresse. Dort singt und klingt vom 4. bis 9. Juli „Classic Open Air“. Sechs Tage Programm von Wagner bis Webber plus Berliner Luft, Luft, Luft.

Von dieser haben hoffentlich alle Sportler genug, die beim Marathon starten. Dann ist es allerdings schon 29. September, und der Veranstaltungssommer geht zu Ende, wie er begann: Denn der Marathon ist ja auch eine Art Parade.

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