Keine heiße Spur : Nach Angriffen auf Unternehmer Pepper: Jagd auf ein Phantom

Die bedrohte Millionärsfamilie Pepper wird rund um die Uhr bewacht. Die Polizei rätselt über die Motive des Attentäters.

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Nur eines scheint bisher klar: Das Phantom im Kamouflage-Kampfanzug hat der Familie des Unternehmers und Multimillionärs Christian Pepper offenbar den Krieg erklärt. Ansonsten steht die Polizei vor einem Rätsel. Eine heiße Spur gibt es bisher nicht, das lässt viel Raum für Spekulationen. Ermittler vermuten erfahrene „Profis“ hinter dem oder den Tätern, möglicherweise aus Osteuropa. „Jemand will Herrn Pepper beharrlich unter Druck setzen.“ Deshalb werde er nicht selbst angegriffen, sondern die Frauen in seiner Familie. Offiziell gilt das Motiv bei der Polizei zwar als „unklar“. Doch dem Vernehmen nach kommt nur ein finanzielles oder wirtschaftliches Motiv infrage. „Einen verprellten Liebhaber oder einen verärgerten Nachbarn hätte man längst ermittelt“, heißt es.

Eine schriftliche oder mündliche Drohung ist bislang nicht eingegangen – oder die Polizei weiß nichts davon. Es wird nicht ausgeschlossen, dass Christian Pepper etwas verschweigt. Sollte es beispielsweise um dessen Immobiliengeschäfte gehen, dürften die Hintergründe für den Unternehmer unangenehm sein, sagt ein leitender Beamter. Schon nach dem ersten Anschlag hatte der 61-jährige Geschäftsmann, der neben zahlreichen Immobilien in Berlin auch das Europa-Center besitzt, sofort massiv reagiert – als ob er die Bedrohungslage sofort richtig einschätzte. Nachdem seine Frau im August vor der Villa der Familie in Bad Saarow mit einem Knüppel niedergeschlagen worden war, engagierte er Sicherheitskräfte – aber keine gewöhnlichen Wachschützer, sondern professionelle und teure Personenschützer. Zu diesem Zeitpunkt ging die Brandenburger Polizei noch nicht von einer weiteren Bedrohung aus. Doch Peppers Vorsicht war offenbar berechtigt. Wochen später tauchte wiederum ein Maskenmann im Tarnanzug auf, diesmal schoss er auf Tochter Louisa (23). Der mutige Einsatz des Wachmanns Thorsten H., der sich in die Schusslinie warf, rettete ihr möglicherweise das Leben. Der Personenschützer wurde getroffen und ist seitdem querschnittsgelähmt. Schon am Tag darauf verließ Pepper Bad Saarow und tauchte in Berlin an unbekanntem Ort unter. Und Tage später erschien ein Mann im Tarnanzug genau dort. Woher kannte er das Geheimversteck? Gerne hätten die Ermittler ihn das gefragt, doch anstatt ihn festzuhalten, ließen die Objektschützer der Polizei den Mann einfach wieder gehen – und das zwei Mal innerhalb weniger Tage. Nach diesen peinlichen Pannen übernahmen Personenschützer des LKA den Job. Seitdem wird die Familie so bewacht wie der Regierende Bürgermeister. Jeder Besucher wird kontrolliert, jeder Ort, zu dem die Familie in einer gepanzerten Limousine fährt, wird vorher „aufgeklärt“, die Wohnung wurde technisch gesichert.  „Wir bekommen dadurch einen tiefen Einblick in sein Leben“, heißt es im Präsidium, „dies dürfte ihm nicht recht sein“.

Dass es sich bei den extrem brutalen und gut informierten Tätern um Profis handelt, dafür spricht auch ein Detail, das auf Laien eher skurril wirken mag: der Tarnanzug. Die Uniform erschwert Zeugen die Beschreibung der Täter, weil sie ausschließlich auf den Tarnanzug achten. Dies wissen nicht nur Polizeipsychologen, auch Kriminalbeamte erleben diesen Effekt immer wieder. Deshalb hat der Unbekannte auf den Phantomzeichnungen weiterhin kein Gesicht.

Offen ist auch, ob die Brandsätze, die am Montag an einem der Pepper-Hochhäuser am Berliner Ernst-Reuter-Platz rechtzeitig entschärft werden konnten, tatsächlich dem Unternehmer galten. Das Berliner Landeskriminalamt tendierte am Dienstag eher dazu, dass Linksextremisten die Zeitarbeitsfirma treffen wollten, die dort Büros gemietet hat. Da kein Bekennerschreiben vorliegt, sei dies aber lediglich eine Vermutung. Ins Bild der bisherigen Anschläge passen die baugleichen Brandsätze nicht, auch wenn sie zündfähig waren. Bislang wurden weibliche Familienmitglieder direkt angegriffen – um Druck auf den Unternehmer zu erzeugen. Und gerüchteweise hat es in Bad Saarow noch einen weiteren Anschlag gegeben, und zwar aus dem DDR-Plattenbau heraus, der gegenüber der Pepper-Villa liegt. Ein Insider sagte dem Tagesspiegel, dass nur dies den Einsatz des Ballistikers und die erneute Spurensuche der Frankfurter Mordkommission erkläre, der am Wochenende auf dem Gelände stattfand. Wie berichtet, wurde bislang vermutet, dass der Maskenmann die Familie aus dem leer stehenden Bau heraus beobachtet hatte. Auf Louisa Pepper hatte der Unbekannte aus kurzer Entfernung mit einer Faustfeuerwaffe geschossen, „dafür brauche ich keinen Ballistiker“, sagte der Experte – jedoch für Schüsse mit einem Gewehr oder einer Präzisionswaffe aus größerer Entfernung. Ein Sprecher der Frankfurter Polizei lehnte gestern jede Stellungnahme ab. Er verwies auf die Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“, die heute Abend um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt wird. Der Leiter der Mordkommission wird den Stand der Ermittlungen schildern.

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