Berlin : Keine Museumsnacht wenn der Bass nicht kracht

Die Lange Nacht lockt Besucher mit ihrem Begleitprogramm

Juris Lempfert

Vielleicht haben die Veranstalter ja Recht, wenn sie augenzwinkernd von der „Langen Nacht der Singles“ sprechen. Denn die typischen Besucher der Langen Nacht der Museen sind nicht nur um die 30, „hoch gebildet“ und „besser verdienend“, sondern auch überwiegend weiblich. Das ergab eine Studie des Instituts für Museumskunde. Die meisten Besucher geben allerdings an, auf ihrer Tour nur ein neues Museum kennen lernen zu wollen. Viel Wert legen sie auf das Rahmenprogramm, von dem ein Viertel der Befragten ihre Teilnahme abhängig machen.

Das hat auch Wolf Kühnelt vom Museumspädagogischen Dienst in Berlin gelernt . „Jahrelang haben sich die Berliner Museumsbesucher darüber beschwert, dass die Öffnungszeiten der Ausstellungen nicht lang genug sind“, erinnert er sich. Das war in den achtziger Jahren. Die Westberliner Museen haben daraufhin den langen Donnerstag eingeführt und auch abends geöffnet. „Gekommen ist keiner“, sagt Kühnelt. Es sei „sehr einsam gewesen“ so allein mit dem Aufsichtspersonal. Erst als man 1987 im Rahmen des „Festival Schauplatz Berlin“ Lesungen und Vorführungen in den Museumsabend integrierte, füllten sich die Häuser.

An der ersten Berliner Langen Nacht der Museen 1997 beteiligten sich dann zwölf Ausstellungshäuser. Eine einzige, völlig überfüllte Buslinie chauffierte 7000 Besucher von Ausstellung zu Ausstellung. Nur vier Jahre später machten bereits 120 Museen mit, die Besucherzahl stieg auf 40000. „In den vergangenen Jahren mussten wir sogar vielen Museen absagen“, sagt Kühnelt, der heute einer der Chef-Organisatoren der Museumsnacht ist. Bei so vielen und so weit verstreuten Orten wurde der Bus-Shuttle nicht mehr bezahlbar, denn die Besucherzahlen hatten sich bei 40000 eingependelt. „Mehr Museen bedeuten nicht mehr Besucher“, sagt Kühnelt. Das Begleitprogramm habe sich trotzdem weiter vergrößert. „Es hängen sich da eben viele Berliner Einrichtungen mit ran.“ Die würden dann zwar nicht von den Bus-Shuttles angesteuert, aber die Karte für die Museumsnacht gelte im ganzen Verkehrsverbund. Und so kann man beispielsweise in diesem Jahr zum ersten Mal einen Blick hinter die Kulissen des Flughafens Schönefeld werfen. Dort werden Pilotentrainings und Fluglotsentests angeboten – natürlich auch für Frauen.

„Meinberlin“ verlost sechsmal zwei Freikarten für die Museumsnacht unter www.meinberlin.de/langenacht. Mehr Informationen auch unter www.lange-nacht-der-museen.de. Eine Serviceseite mit allen Busrouten folgt im Tagesspiegel von morgen.

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