Berlin : Keine Panik

Das Krankenhaus Havelhöhe verkauft jetzt Aktien Mit dem Erlös soll das Gelände erworben werden

Rainer W. During

Patienten und Mitarbeiter des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe in Spandau können jetzt Anteile ihrer Klinik erwerben. Der Trägerverein hat eine Gemeinnützige Aktiengesellschaft (GAG) gegründet, um den Kauf des Geländes zu finanzieren. Prominente Unterstützung bei der Zukunftssicherung kommt von Udo Lindenberg und Otto Schily.

1995 hat der Verein zur Förderung der anthroposophischen Heilkunst das zuvor städtische Krankenhaus übernommen und das Leistungsangebot kontinuierlich ausgebaut. Zu den jüngsten Einrichtungen zählen ein Hospiz, ein Drogenentzug für Jugendliche und ein ambulantes Versorgungszentrum. Der bei der Übernahme mit dem Land Berlin und dem Bezirk Spandau vereinbarte Abschluss eines Erbbauvertrages kam jedoch nie zustande. Jetzt hat der Bezirk das Krankenhausgelände an den Liegenschaftsfonds des Landes Berlin übertragen. Dort drängt man auf den Verkauf des 18 Hektar großen Areals.

Der Trägerverein ist nicht abgeneigt, denn es gilt als fraglich, ob die deutsche Form der Krankenhausfinanzierung auch weiterhin mit dem EU-Recht vereinbar ist, so Klinik-Geschäftsführer Roland Bersdorf. Müsste aber bald eine monatliche Pacht aufgebracht werden, stünde die Klinik vor einer fraglichen Zukunft. Denn alle Einnahmen des Vereins fließen ausschließlich in die Patientenversorgung. Hätte man das Gelände im eigenen Besitz, wäre der Verein die Sorgen los. Doch noch gibt es deutliche Unterschiede bei den Preisvorstellungen. Der Liegenschaftsfonds hat als Wert rund 13 Millionen Euro ermittelt. Ein vom Trägerverein beauftragter Gutachter kommt dagegen nur auf vier Millionen Euro. Er verweist unter anderem auf die denkmalgeschützten Gebäude der einstigen Luftwaffenakademie sowie die relativ großen Waldflächen und die Nutzungsbeschränkung auf einen Krankenhausbetrieb. Unter Anrechnung der Kosten für die Übernahme der städtischen Mitarbeiter und den Abschluss von Kooperationsverträgen mit dem Land Berlin kommen die Anthroposophen auf einen aus ihrer Sicht realistischen Verkaufspreis von zwei bis drei Millionen Euro.

Diese Summe sollen jetzt Patienten, Mitarbeiter, Vereinsmitglieder und Freunde des Hauses durch den Kauf der Aktien aufbringen. Sie sind zu einem Ausgabe-Stückpreis von 100 Euro erhältlich und wurden von vier verschiedenen Künstlern gezeichnet. Eines der Bilder steuerte Udo Lindenberg bei. Es zeigt einen Engel mit dem Schriftzug „Havelhöhe – No Panic“.

Rund 440 000 Euro wurden in den ersten zweieinhalb Monaten bereits eingenommen, bis zum Jahresende hofft Bersdorf, die erste Millionen beisammen zu haben. Zu den Käufern gehört auch Ex-Innenminister Otto Schily, dessen Neffe zum Vorstand des Trägervereins gehört. Schily hat auch einen ehrenamtlichen Posten im Aufsichtsrat der GAG übernommen. Rainer W. During

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