"Keine Sau braucht die FDP" : Was ein Experte von der FDP-Kampagne hält

In Brandenburg kokettiert die FDP mit Selbstmitleid. Politikwissenschaftler Jochen Franzke spricht im Interview darüber, ob das der Partei nützt oder schadet - und warum es die FDP in Brandenburg so schwer hat.

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"Keine Sau braucht die FDP!", sagt die FDP.
"Keine Sau braucht die FDP!", sagt die FDP.Foto: DPA

Herr Franzke, in den jüngsten Politik-Umfragen in Brandenburg war die FDP statistisch „nicht nachweisbar“. Nun plakatiert die Landtagspartei selbst das Land mit dem Slogan „Keine Sau braucht die FDP“. Ein geschickter Schachzug oder ein Eigentor?

Kurzfristig ist das sicher ein Aufreger, die Leute reden immerhin darüber. Aber wenn keine spannenden Inhalte nachgelegt werden, wird die Sache schnell verpuffen und eher als schlechte Vorahnung des Wahlausgangs in Erinnerung bleiben.

Können Sie sich an vergleichbare Aktionen deutscher Parteien erinnern?

Bislang waren solche Aktionen meist vom politischen Gegner ausgegangen wie zum Beispiel im Bundestagswahlkampf 2009 der SPD, als diese plakatierte, Finanzhaie würden FDP wählen. In der gleichen Kampagne gab es aber auch ein SPD-Plakat, dass man mit dem jetzigen FDP-Poster vielleicht vergleichen kann: ‚Niemand wird die SPD wählen’. Allerdings kämpfte die SPD damals auch nicht um ihr Überleben. Das ist der Unterschied.

Warum ist die FDP in Brandenburg in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, obwohl sie bei der Landtagswahl 2009 noch stärker als die Grünen waren?

Bei den Grünen weiß man einigermaßen, wofür diese stehen, bei der FDP schon geraume Zeit nicht mehr. Hier wirken neben hausgemachten Problemen der Landes-FDP der desaströse Auftritt der Bundes-FDP, die sich von ihrem Rauswurf aus dem Bundestag im vergangenen Jahr nicht erholt hat. Viele Wähler haben sich offenbar anderen Parteien zugewandt.

Jochen Franzke, 60, ist Politikwissenschaftler an der Universität Potsdam und ausgewiesener Experte der Uni für die kommende Landtagswahl in Brandenburg am 14. September 2014.
Jochen Franzke, 60, ist Politikwissenschaftler an der Universität Potsdam und ausgewiesener Experte der Uni für die kommende...Foto: AFP

Welche hausgemachten Probleme?

Zwei Dinge: Es gibt kein einziges Thema im Land, welches man als erstes mit der FDP verbindet. Sie sind thematisch immer die Zweiten. Der zweite Punkt: Das Spitzenpersonal ist einfach zu unbekannt.

Welche Rolle spielen denn Großplakate?

Naja, sie sind wichtiger als die Wahlprogramme, die kaum ein Wähler liest, aber kaum wahlentscheidend. Es gibt personalisierte Plakate, die die Kandidaten zeigen. Die sind in der Regel wenig wirksam. Händeschütteln auf dem Marktplatz, also der persönliche Kontakt, ist da schon wesentlich hilfreicher. Dann gibt es noch inhaltliche Plakate, die also Themen setzen und durchaus geeigneter wären, Wähler zu mobilisieren. Diese werden bislang in Brandenburg aber zu wenig genutzt.

Warum?

Das passt doch gut zum weichgespülten Landtagswahlkampf 2014. Die Regierungsparteien haben alle kontroversen Themen vom Tisch genommen und setzen lieber auf ihr Spitzenpersonal. Nur die CDU macht es anders.

Das Gespräch führte Matthias Matern.

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