Berlin : Keine Spur von rechten Schlägern

Polizei will PDS-Politiker Sayan heute befragen Partei verschiebt die Kandidaten-Nominierung

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Nach dem vermutlich fremdenfeindlichen Überfall auf den PDS-Abgeordneten Giyasettin Sayan nahe dem Lichtenberger Bahnhof fehlt von den beiden Tätern jede Spur. Der 56 Jahre alte Politiker der Linkspartei/PDS liegt mit schwerer Gehirnerschütterung und Prellungen im Sana Klinikum Lichtenberg, dem ehemaligen Oskar-Ziethen-Krankenhaus. Nach Angaben der Ärzte kann er frühestens am heutigen Montag vernommen werden.

Die Ermittler sind verärgert, dass Sayan trotz seiner Verletzungen bereits am Sonnabend Interviews gegeben hat. Wie berichtet, sollen Unbekannte den Politiker, als der am Freitagabend in der Lichtenberger Margaretenstraße sein Auto abschloss, als „Scheißtürken“ bezeichnet und niedergeschlagen haben. Sayan hatte den Ermittlern bei der ersten Befragung gesagt, die Täter hätten ihn erkannt.

Der 56-jährige PDS-Abgeordnete vertritt seit mehr als zehn Jahren den Lichtenberger Wahlkreis, der als rechte Hochburg bekannt ist. Sayan, der auch in Lichtenberg wohnt, engagiert sich vor allem bei Projekten gegen Rassismus und ist deshalb bei Rechtsextremisten unbeliebt. Konkrete Drohungen gab es nach Angaben des Staatsschutzes nicht.

Sayan beschreibt die Täter so: Beide 20 bis 25 Jahre alt, etwa 1,80 bis 1,85 Meter groß, schlank und sportlich. Beide trugen dunkle Kleidung, die Jacke eines Täters hatte helle Streifen. Dieser Mann trug auch eine Mütze. Die Polizei sucht dringend Hinweise. Die Sonderkommission hat die Nummer 4664 952 120. Bisher fehlen konkrete Hinweise aus der Bevölkerung. Die Polizei hat 3000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Der PDS-Bezirksverband Lichtenberg hat die für Sonntag geplante Nominierung seiner Wahlkreiskandidaten für die Abgeordnetenhauswahl verschoben. Man will warten, bis Sayan wieder auf den Beinen ist. PDS-Landeschef Klaus Lederer und Wirtschaftssenator Harald Wolf besuchten den Parteifreund gestern im Krankenhaus. „Er kann nur schwer sprechen, aber wir hoffen, dass er bald wieder fit ist“, sagte Lederer. Er findet es nebensächlich, ob der Überfall auf Sayan zufällig zustande kam oder ob ihm aufgelauert wurde. Mutmaßungen, der PDS-Abgeordnete habe den Vorfall selbst inszeniert, wies Lederer als „aberwitziges Zeug“ zurück.

Sayan will nicht nur wieder im Wahlkreis 3 in Lichtenberg kandidieren, sondern auch auf der PDS-Landesliste. Im Wahlkreis muss er bei der Nominierung mit einem Gegenkandidaten rechnen. Über die Landesliste wird parteiintern noch heftig diskutiert. Dem Vernehmen nach hat Sayan aber durchaus Chancen, wieder ins Abgeordnetenhaus zu kommen. Ha/za

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